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Rosa in Argentinien

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Rosa aus Bad Sooden-Allendorf, 29.11.2002

Auf einmal waren alle meine Sorgen verschwunden

Hola chicos y chicas, ...also, ich kann´s selbst gar nicht glauben, dass ich es endlich geschafft bzw. mich ueberwunden hab, mich an den PC zu setzen und euch zu schreiben... Naja, der eigentliche Grund ist, dass meine Mama meinte, ich muesste bis Freitag die Mail geschrieben haben... : ) Also, erst mal muss ich sagen, dass ich Euch alle echt vermisse...fuehlt Euch umarmt!!! Gut...voy a empezar...ahhhh ...gerade bin ich in La Paz(Bolivien) bei meinen Cousinen---ja, ich bin endlich dort angekommen, wo ich hin wollte... Aber am besten ich fange von vorne an.

Am 21.Oktober bin ich in Buenos Aires angekommen...etwas verwirrt stand ich am Flughafen und wusste gar nicht, was ich machen sollte. Zuerst hab ich eine Telefonzelle gesucht und mit zitternden Haenden und Knien Brenda angerufen. Brenda ist ein Maedel, dass ich im Hospitalityclub gefunden hab. Ich hatte sie einen Tag vor meinem Abflug angerufen und sie gefragt, ob ich ein paar Tage bei ihr bleiben koennte---Sie war sofort einverstanden und total begeistert... Obwohl ich meinen Eltern versprochen hatte, die ersten Naechte im Kloster(!) zu bleiben, bin ich sofort zu Brenda gefahren. (Danke Veit! Gleich Werbung: www.hospitalityclub.org)

Ich musste erst 40 min bis in die Innenstadt (falls es in Buenos Aires sowas gibt) fahren. Auf dem Weg dorthin ist mir erst mal bewusst geworden, dass ich in Argentinien, in Buenos Aires bin. Ich hatte diesen Ort hauptsaechlich ausgewaehlt, weil der Flug bis dorthin am billigsten war ... : ) ---und wirklich informiert hatte ich mich auch nicht ueber die Stadt...weder darueber nachgedacht.---- Also, als ich ankam, konnte ich gar nicht glauben in was fuer einer Stadt ich war! Riesiiig, tausend alte europaeische Gebaeude, gruen(!), alles sauber und super schoen!!! Da meine Gedanken sowieso immer wo anders sind, hatte ich mich einfach auf ein Honduras-artiges Lateinamerika eingestellt...aber was ich sa hat mich nur an Europa erinnert. ---Als ich dieses den Deutschen, die ich dort kennen gelernt gesagt hatte, meinten diese nur, dass ich bloed sei, weil jeder wuesste, wie Buenos Aires sei....naja....ich nicht!

Aufgeregt hab ich dann an bei Brenda geklingelt...und als sie mir oeffnete war ich total begeistert---war echt ein schoenes Gefuehl . Auf einmal waren alle meine Sorgen verschwunden. Brenda ist echt ein super nettes, lockeres Maedel (22)---sie meinte gleich am Anfang, dass ich mich wie zu Hause fuehlen sollte...und drueckte mir die Haustuerschluessel in die Hand. Echt nett!... Aus den paar Tagen, die ich bei ihr bleiben wollte, sind dann irgendwie doch 3 Wochen geworden (!).

Brenda hat mir gleich Mate angeboten---und seit dem bin ich Mate-suechtig. ---Fuer die, die nicht wissen was Mate ist: Mate ist eine Art gruener Tee, den man aus einem Tassen-artigen Gefaess (dem eigentlichen Mate) mit einem silbernen Strohhalm trinkt...lecker......!!! Diesen Mate gibt man immer rum...also ein Gruppen-Mate. Es macht so Spass und ist so ein Gruppen-Gefuehl! Und es ist auch total schoen alte Mate-trinkende Paerchen im Park zu beobachten!!

...es ist komisch mich in das Leben in Buenos Aires zurueck zu versetzen---ist irgendwie schon wieder so lange her. Aber es macht auch Spass, weil meine ganzen Gluecksgefuehle wieder hervorkommen.

Zurueck zu Brenda. Brenda wohnt mit ihrem schwulen Freund Adrian zusammen---mit Adrian hatte ich so viel Spass---dieser Typ, naja eher Maedel, ist einfach unglaublich! Beide haben ihr Studium abgebrochen, waren also fast den ganzen Tag zu Hause.

Die ersten Tage hat mich Brenda durch die Stadt gefuehrt---alleine haette ich mich sofort verloren. Erst nach einer Woche hatte ich einen groben Ueberblick und konnte Leuten erklaeren, wo ich wohne. Die stadt hat fuer mich kein Ende. Was mir total gut in Buenos aires gefallen hat waren die vielen gepflegten Parks. Immer wenn man von dem Laerm und den Menschenmassen genug hatte, konnte man in die Parks oder an den Hafen fluechten, in den Himmel schauen und entspannen. Wenn ich zu lange in der Stadt war, hatte ich das Gefuehl, dass meine Sinne immer stumpfer, unempfindlicher, irgendwie taub wurden...ich hatte dann das Gefuehl, eine von Millionen Ameisen zu sein.

Einer meiner Lieblingsorte wurde "La Plaza de Mayo", der Platz vor "la Casa Rosada", dem Regierungsgebaeude---habt ihr bestimmt in "Evita" gesehen. Dieser Platz war bzw. ist so lebendig---also staendig irgendwelche Demos!!! naja, meistens ohne Erfolg. Seit der Krise letzten Jahres, drehen die Leute total durch. Es ist wahnsinn, durch die Inflation hat sich alles veraendert . Die Argentinos werden immer aermer( ausser die Korrupten natuerlich)...und koennen sich kaum importierte Ware leisten. Es ist gerade wie ein Teufelskreis. Aber trotzdem scheinen die Menschen hier noch sehr wohlhabend---naja auch nur in Buenos Aires. Die meisten sind Chetos, also total uebertrieben und aufgestylt...aber irgendwie doch sehr, sehr huebsche menschen... : )

Was ich auch total beeindruckend fand, war die woechentliche Versammlung der "Madres", der Muetter der Kommunisten, die in der Militaerdiktatur in den 70ern/80ern entfuehrt worden. Es ist Wahnsinn, seit dieser Zeit treffen sich die Muetter, vorher Grossmuetter, auf der Plaza de Mayo, um Informationen ueber ihre verschollenen Kinder zu sammeln. Als, ich mit einer Madre gesprochen habe, meinte sie, dass die Suche allerdings erfolglos sei und man kaum Leute gefunden habe. "Todos muertos" (alle tot), sagte sie. Aber die Muetter setzen sich jetzt immer noch fuer Gerechtigkeit ein. ---Ich hatte vorher nur etwas ueber die Madres gelesen, und als ich sie traf, wurde auf einmal alles so lebendig, und ich hatte das Beduerfnis zu helfen.---Wenn ich wieder in Buenos Aires bin, werde ich sie nocheinmal besuchen...und mal sehen was dann.---Ich fliege uebrigens am 19. Februar wieder von Buenos Aires zurueck.

Naja, dann war ich noch mit Adrian und seinen ganzen Leuten auf einer Schwulen- und Lesben-Demo. "Marcha del Orgullo"(des Stolzes). ...war super verrueckt, irgendwie total abgefahren. wie eine kleine Love-Parade in Buenos Aires....und was mir am meisten gefallen hat war, dass Adrian uebergluecklich war. Danach gab es viele Reden auf der "Plaza del Congreso", ein anderer Ort, wo immer protestiert wird.---Und dann kam der Hoehepunkt: Der Moment des Kusses. In diesem Moment darf jeder jeden kuessen----also konnte ich den riesigen Transvestiten kaum davon abhalten, sich mir zu naehern...

Die letzte Demo auf der ich war, war Die Demo der argentinischen Jugendlichen gegen Repression und Hunger und fuer Arbeit und Wuerde.---fuer mich die beeindruckendste. Ich wollte mich eigentlich mit einem Maedel treffen...sie ist aber leider nicht gekommen. Ich hatte anfangs etwas Angst mich in die Menge zu stuerzen, weil die Leute mir nicht ganz geheuer waren, doch danach hab ich mich einfach dazwischen gedraengelt und gemerkt, dass die Leute, von denen ich glaubte mir meine Kamera klauen zu koennen, supersympatisch und voller Energie waren. Die Demo begann gegen 7 Uhr abends (also schon daemmrig)und dazu kam, dass es anfing zu gewittern. Es war wahnsinn, bei jedem Donner und Blitz haben die Leute mehr und mehr geschrien....ich hab die ganze Zeit versucht Fotos zu machen, doch irgendwann musste ich stehen bleiben, weil ich endlich gemerkt hatte, dass meine Kamera total nass war. ---Oh Gott, ich hoffe, dass ich nicht zu viel schreibe und Euch langweile.

Was ich sonst noch so gemacht habe...hmmmm... Ja, ich habe natuerlich noch einen Tangokurs gemacht---war schrecklich! Also der Tanz gefaellt mir total gut, die Bewgungen, der ausdruck....lecker.... Aber wenn man einen ekligen, alten Tanzpartner nah an sich hat, ist es grausam. Naja, ein paar Schritte kann ich jetzt trotzdem.

Eigentlich habe ich gar nicht so viel gemacht---ich hab fast immer bis mittags oder sogar nachmittags geschlafen, und oft mit Brenda Mate-trinkend und fersehguckend auf dem Sofa sass---ich hab mich anfangs ueber mich selbst geaergert, dass ich meine Zeit nicht nutze und einfach nur sinnlos zu Hause abhaenge, aber mittlerweile sehe ich¨s total positiv und freue mich, dass ich das argentinische Leben, die Leute und vor allem den Mate kennen gelernt habe. Irgendwie waren Brenda und Adrian fuer mich wie eine Familie. Ich hatte mich so eingelebt, dass ich gar nicht mehr wegkonnte, obwohl ich wollte. Mittlerweile weiss ich, dass es fuer mich total wichtig ist, laengere Zeit an einem Ort zu bleiben um mich einzuleben und dann richtig zu leben.

Naja, irgendwann konnte ich mich doch ueberwinden, diese Stadt zu verlassen. Mein naechstes Ziel war Salta. Eine kleinere Stadt im Norden Argentiniens. Eigentlich kamen auf dem Weg dorthin die ersten Reise- und Unabhaengikeits-Gefuehle hoch. Ich konnte sozusagen "hinfliegen " wo ich wollte. Die Fahrt (22 Stunden) war super witzig ich hab neben 2 total verschiedenen , verrueckten Frauen gesessen, die mir ihre ganzen Liebesgeschichten erzaehlt haben---und ich hab es einfach nur genossen, wieder mit neuen Seelen zusammen zu stossen. Eine der Frauen, die mir erzaehlt hatte, dass sie vielleicht einen 20 Jahre aelteren Mann heiraten werde, mit dem sie zwar erst einen Monat zusammen sei, der aber Geld ohne Ende habe, musste ich in Salta gleich nochmal besuchen.

Als ich abends im Hostel ankam, habe ich mich ziemlich komisch gefuehlt, alles fremd, und ich hatte gemerkt, dass mein Reiseleben, dass ich eigentlich gar nicht fuehren wollte wirklich begonnen hatte. Salta ist so verschieden von Buenos Aires---ich glaube wirklich argentinisch--die Menschen waren auch viel dunkler und irgendwie freundlicher, lockerer...

Den naechsten Tag habe ich mich gleich viel besser gefuehlt und die Hitze genossen...jetzt weiss ich auch, dass der erste Tag fuer mich an einem fremden Ort immer komisch und nach der ersten Nacht alles unglaublich schoen ist. Jedenfalls wurde ich, als ich meine Augen oeffnete, sofort mit dem Laecheln eines Typen aus den USA begruesst. Und ab dem Augenblick hab ich in dem Hostel super viele Traveller kennengelernt. Das Hostel war super schoen und locker...ein richtiges Urlaubs-und Gemeinschafts-Gefuehl. Wir hatten dort den ganzen Tag biertrinkend und in irgendwelche philosophischen Gespraeche vertieft auf der Terasse verbracht.

Und dann hab ich die Umgebung von Salta kennengelernt. Es war unglaublich. Auf einmal nur Natur und Natur. das totale Gegenteil von Buenos Aires. Es war traumhaft. Einen Tag habe ich eine Cabalgata--einen Ausritt auf einem echt suessen Pony gemacht. Ich habe es soooo genossen so viel gruen, Huegel und Berge zu sehen und frische Luft einzu atmen. Einen Tag vorher bin ich an einen Fluss gefahren, um zu raften. Eigentlich wollte ich gar nicht, aber Fede, ein Argentino der Rafting-Guide war, hat mich dazu ueberredet. ---Es war soo ein unglaubliches Erlebnis. Ich hab mich Gefuehlt, wie im Paradies. Der Ort, an den wir gefahren sind war total abgelegen... Der Fluss war wunderschoen, von riesigen bunten Felsen umgeben---ab und zu hat man am Ufer ein paar wilde Pferde gesehen und dann noch Dinosaurierspuren. Es war soo ein Gefuehl von Freiheit und Abenteuer!

Der Ort Hat mir so gut gefallen, dass ich gleich ein paar Tage dort geblieben bin. Es wohnen ungefaehr 15 Personen dort---alle schlafen in Zelten-einige schon seit ueber 2 Jahren. Sie leben wie in einem kleinen Dorf direkt am Fluss. Ueberall haengen Haengematten und die Sonne verwoehnt einen die ganze Zeit. Doch die meiste Zeit, sind alle in der Traum-Bar (natuerlich auch mit viele Haengematten und Kaktusmoebeln) neben dem Hostel fuer die Besucher. Das Leben dort ist wie im Paradies...ich habe mich sooo in diesen Ort verliebt!!! Dorl ist alles so locker und langsam, entspannt und mit Freude und Energie(naja manchmal zu viel Energie ) erfuellt. Ich habe diese Leben nach Buenos Aires so gebraucht!

Einen Tag haben wir eine Familie in der Naehe besucht. Sie leben in Lehmhaeuschen ohne Strom und Wasser(also nur von Wasser von einem kleinen Bach...das natuerlich besser ist)...und haben irgenwie alles! Diese Familie hat so eine Ausstrahlung! Das Laecheln in ihren Gesichtern steckt einen an---zauberhaft! Sie haben auch total viele Tiere und pflanzen alles moegliche an---also richtig viel zum Essen. --- Als wir angekommen sind, hat uns Magarita einen Mate, der durch die ganze Rundeging, angeboten: den leckersten Mate, den ich je getrunken habe...mit ganz vielen Gewuerzen und Kraeutern...wie ein Zaubergetraenk--das Rezept wollte sie uns nicht verraten. Naja, ich dachte, hey ich muss diese Familie fotografieren...weil sie einfach unglaublich war. Also habe ich sie spaeter gefragt, ob ich nochmal vorbeikommen koennte. Sie waren einverstanden. Ich habe es Fede erzaehlt...und er ist total wuetend geworden. Er hat gesagt, dass er mich mitdorthingenommen habe, um die Familie kennen zu lernen und Mate zu trinken, und nicht damit ich wie ein "gewoehnlicher Tourist" nur an Fotos denke. Er meinte, dass wir Touristen die Einheimischen wie Tiere im Zoo fotografieren wuerden...am besten arme Leute in schwarz/weiss! Das war wie ein Schlag fuer mich und ich wusste immersten Moment gar nicht, was ich sagen sollte...ich hab mich einfach nur schrecklich gefuehlt. Seit dem bin ich total vorsichtig geworden und kann kaum Fotos machen.

Nach den paar Tagen, wollte ich dann auch weiter...weiter nach Bolivien!!! aber ich kann Euch jetzt leider nicht weiter schreiben, weil ich super muede bin.
Also bis morgen.
Ganz liebe Gruesse und Abrazos,
Rosa

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