Alte Häuser und Gummibärchen

Alle AFS-Austauschschüler haben 3 Wochen nach ihrer Ankunft in Deutschland ein 5tägiges Orientation Camp. Dort bereiten wir sie auf ihr Jahr vor, lösen erste aufgetretene Probleme und bringen ihnen kulturelle Vorzüge unseres Landes näher (Lakritzschnecken, Kneipen, Bier...:-). Ich habe sehr viele dieser Camps mitgemacht, vor allem gemeinsam mit meinen Geschwistern und AFS-Freunden als Mit-Betreuern macht dies immer unheimlich viel Spass. Zu einem Camp in Würzburg luden wir die lokale Presse ein, und der Artikel von Martina Schäfer wurde sehr schön. Erschienen am 1.10.2002.

Die Mainpost - eine tramperfreundliche Zeitung Alte Häuser und Gummibärchen
Wie sich Austauschschüler in Würzburg auf ein Jahr in Deutschland vorbereiten

Von unserer Mitarbeiterin Martina Schäfer


WÜRZBURG Sie sind die globalisierte Jugend: 24 Schüler aus 17 Ländern haben sich in Würzburg auf ihr Austauschjahr in Deutschland vorbereitet.

Am meisten fehlen Elisa (16) die Umarmungen. Immer dann, wenn Menschen sich begegnen, sich begrüßen, sich verabschieden. "In Brasilien nehmen wir uns in den Arm", erzählt die Südamerikanerin. Ein Küsschen links, eines rechts. In Deutschland dagegen schüttele man sich lediglich die Hand. "Komisch," findet Elisa, doch sie wird sich wohl daran gewöhnen. Denn das kommende Jahr wird sie in einer deutschen Gastfamilie bei Erlangen verbringen. Während eines Wochenendes im Würzburger Jugendgästehaus haben sie und weitere 23 Austauschschüler aus 17 verschiedenen Nationen sich darauf vorbereitet.

"AFS Interkulturelle Begegnung" heißt das Programm, das Elisa den Aufenthalt ermöglicht. "AFS ist das größte und älteste Schüleraustauschprogramm", erklärt Veit Kühne. Der 24-Jährige war selbst für einige Monate in den USA. Nun möchte er mithelfen, dass andere ähnlich schöne Erfahrungen im Ausland machen, wie er damals. "Ich habe während der Zeit in Amerika sehr viel gelernt, ein bisschen davon möchte ich den Jugendlichen zurückgeben."

Es sind scheinbar einfache Dinge, um die es während des so genannten "Orientation Camps" in Würzburg geht. "Mülltrennung zum Beispiel", sagt Kühne. "Oder aber, dass man das Licht ausschaltet, sobald man einen Raum verlässt." Viele der Schüler seien nicht gewohnt, am Abend kalt zu essen. So wie die Norwegerin Astrid (16): "Zu Hause gibt es abends Lunch."

Astrid hat in Norwegen bereits Deutsch gelernt. In der Schule hilft ihr das: "Wenn der Lehrer hochdeutsch spricht, verstehe ich ihn. Aber wenn er bayerisch redet, ist es schwierig." Sie hofft, nach dem Jahr die Sprache besser zu beherrschen. Für Elisa war in erster Linie wichtig, nach Europa zu kommen. "Ich liebe Geschichte und sehe mir gerne alte Gebäude an."

Mit ihrer Gastfamilie lebt sie in einem 300 Jahre alten Haus. Außerdem hat sie in den ersten Tagen bereits viele Denkmäler in Nürnberg und Erlangen besichtigt. "So etwas kenne ich aus Brasilien überhaupt nicht." Kühne muss ein wenig grinsen, wenn die Jugendlichen von den Sehenswürdigkeiten schwärmen. "Jetzt sagen sie noch, dass ihnen vor allem die alten Gebäude gefallen", erzählt er. "Fragt man aber in einem Jahr noch einmal nach, dann sind es die Gummibärchen oder die Fantastischen Vier."

Dreimal werden die 24 Schüler während ihres Aufenthaltes in Deutschland zusammenkommen. Tauchen in der Zwischenzeit Probleme auf, können sie sich an eins der 72 regionalen AFS-Komitees wenden. "Oft geht es dann um eifersüchtige Gastgeschwister", weiß Kühne. "Aber in den allermeisten Fällen werden die Schüler zu einem Teil der Familie."

@ Infos zur Organisation im Internet www.afs.org

Bild-Untertitel: Zwischen 16 und 18 Jahre alt sind die ausländischen Jugendlichen, die sich in Würzburg auf ein Jahr in deutschen Gastfamilien vorbereitet haben. Sie kommen über die renommierte Austauschorganisation AFS.

Ich war zwar ein JAHR in den USA, aber trotzdem ein schöner Artikel. Zurück zur AFS-Seite.