Die Wasserprobleme Andalusiens

ZIS-Studienarbeit
von
Kjell Kühne
Reise im Sommer 1997


Im Sommer 1997 fuhr Kjell mit einem Stipendium der Stiftung ZIS nach Spanien. Ein wenig mehr Info zu ZIS findest Du am Beginn meiner Studienarbeit, ich war im Jahr zuvor auf der Krim gewesen.

Inhalt

1. Einführung

2. Naturräumliche Voraussetzungen
a) Fläche
b) Klima
c) Ressourcen

3. Infrastruktur
a) Flächennutzung
b) Wasserbedarf
c) Talsperren

4. Landwirtschaft
a) Rahmenbedingungen
b) Bewässerungsanbau

5. Umwelt
a) Quantitative Probleme
b) Qualitative Probleme
c) Erosion
d) Sonderfall Coto Doñana

6. Umgang mit den Problemen
a) Organisation
b) Lösungsansätze

7. Ausblick

Anmerkungen

Quellen


1. Einführung


Wasser ist Leben. Diese Erkenntnis ist alt und beschränkt sich nicht auf den Süden Spaniens. Aber hier in Andalusien wird das ganz besonders deutlich, da das Wasser durch seine begrenzte Verfügbarkeit tatsächlich zum wichtigsten Faktor wird, der darüber entscheidet, ob es an einem Ort Leben gibt oder nicht.
Der günstigen klimatischen Lage verdanken wir es, daß wir in Deutschland quantitativ gesehen kaum Sorgen mit dem Wasser haben.
Im Süden Spaniens aber, das näher an der Sahara liegt als an Mitteleuropa, begegnet einem die Frage nach dem Lebenselixier allerorten.
Wasser ist nicht nur die Voraussetzung für pflanzliches und tierisches und damit menschliches Leben, sondern es ist auch die unverzichtbare Grundlage von wirtschaftlichen Kreisläufen. In Gebieten des Überflusses - wie Mitteleuropa - ist das nicht immer offensichtlich. Doch in Spanien spielt die Verteilung der hydrologischen Ressourcen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Raumes.
Wenn wir uns mit den Wasserproblemen in Andalusien beschäftigen, geht es daher nicht allein darum, ob und wie nun Wasser aus dem Wasserhahn fließt, sondern wir müssen versuchen, den gesamten Raum und seine wirtschaftliche Entwicklung zu betrachten.
Eigentlich erfordert diese Aufgabe eine intensivere Beschäftigung mit der Thematik.
Doch wir wollen versuchen, im Rahmen dieser Studienarbeit die wesentlichen Fakten darzustellen und so einen Überblick zu geben.


2. Naturräumliche Voraussetzunge

a) Fläche

Andalusien ist die südlichste Autonomía Spaniens. Die Autonomías sind die erste Verwaltungsebene unterhalb der nationalen, vergleichbar etwa unseren Bundesländern. Sie sind ihrerseits unterteilt in Provinzen.
Andalusien hat eine Fläche von ca. 87.500 km² (etwa so groß wie Portugal) und 7,3 Mio. Einwohner.

Bild 1

Die Fläche Andalusiens läßt sich auf folgende hydrografischen Einheiten (Becken) aufteilen :

Guadalquivir                                    52.000 km²
Guadalete + Barbate                          6.500 km²
Sur                                                   18.000 km²
Guadiana I                                         3.500 km²
Guadiana II                                        6.500 km²
Segura                                               1.000 km²
-------------------------------------------------------------------
total                                                 87.500 km²

Bild 2

Die Becken „Sur“ und „Guadalete + Barbate“ befinden sich mit ihrer gesamten Fläche auf andalusischem Territorium, während die restlichen zu einem kleineren (Segura: 10%) oder größeren (Guadalquivir: 90%) Teil innerhalb der Autonomía liegen.

Der Guadalquivir ist mit einer Länge von 660 km der wichtigste Fluß Andalusiens.
Er, Guadalete und Barbate und das Südliche Becken („Sur“) machen zusammen 86% der Fläche Andalusiens aus. Es soll in dieser Arbeit vornehmlich um die genannten Einzugsgebiete gehen.

Bild 3
 

b) Klima

Der gesamte Mittelmeerraum hat ein winterfeuchtes Klima. Das bedeutet, daß der größte Teil der Niederschläge im mäßig kalten Winter fällt, während die Sommer heiß und trocken sind.
Für Andalusien charakteristisch und für unser Thema von besonderer Bedeutung ist die ausgesprochen unregelmäßige Verteilung der Niederschläge, sowohl zeitlich als auch räumlich gesehen.
Da die Temperaturen über die Jahre hinweg relativ konstant sind, können wir sie in unseren Betrachtungen vernachlässigen. Das Wasser macht hier den Unterschied.

In den Jahren 1990-95 erlebte Andalusien eine der ausgeprägtesten Dürrezeiten seit meteorologische Daten aufgezeichnet werden.

Bild 4

Nachdem es im Winter 89/90 noch einmal kräftig geregnet hatte, ließen die Niederschläge in den folgenden Jahren immer mehr nach, um das absolute Minimum im Jahre 94/95 zu erreichen.(279 mm in den Becken Guadalquivir, Guadalete und Barbate)
Diese Dürre war neben den sehr geringen Niederschlägen vor allem deshalb so gravierend, weil sie sich über fünf Jahre erstreckte. Das Jahr 94/95 wies nicht nur die niedrigsten Niederschlagswerte auf, es war auch der Höhepunkt einer bis dahin bereits vier Jahre andauernden Trockenheit. - Die letzten vorangegangenen Dürreperioden hatten jeweils zwei bis drei Jahre gedauert.
Die andalusischen Umweltbehörde ermittelte, daß im September 1995 die Vegetation auf 90% der Fläche unter „hydrischem Streß“ litt, während der Anteil im gleichen Monat 1991, also im ersten Jahr der großen Trockenheit (ein hydrologisches Jahr geht von Oktober bis September), noch bei 25% lag.
(Bei der per Satellit durchgeführten Untersuchung wurde die Photosyntheseaktivität gemessen.)

Ein Ausbleiben der Niederschläge hat natürlich zur Folge, daß die Flüsse weniger Wasser führen.
Die gesamte Wassermenge, die im Jahre 94/95 im Guadalquivir Alcalá del Río passierte, betrug 110 Hm³. Das ist weniger als ein Zwanzigstel dessen, was in einem normalen Jahr gen Atlantik strömt.
Auch in den vorangegangen Jahren lag der Durchfluß weit unter der üblichen Menge.

Der spärliche „Nachschub“, der sie erreichte, sorgte dafür, daß die Talsperren immer leerer wurden. Im Jahre 1995 pendelten die Stauseen im Becken des Guadalquivir zwischen einer Auslastung von 8 bis 12% ihrer Kapazität, während die gespeicherte Wassermenge im Südlichen Becken im gleichen Jahr von 21% allmählich bis auf 10% der Kapazität sank.
Die Bewässerung von Feldern wurde untersagt, um die Ressourcen zu schonen. Dennoch gingen die Trinkwasserreserven zu Ende, und es mußten Alternativen gefunden werden.
Das große Defizit in der Provinz Cádiz wurde ausgeglichen, indem man in Tankschiffen Wasser von Huelva, der einzigen Provinz, die noch über genügend Ressourcen verfügte, herantransportierte.
In Sevilla reichte das Wasser aus den umliegenden Talsperren nicht mehr, um die Bevölkerung zu versorgen. Die Gesellschaft, die für die Trinkwasserbereitstellung in der andalusischen Hauptstadt verantwortlich ist (EMASESA), sah sich gezwungen, die Versorgung sicherzustellen, indem sie das Flußwasser des Guadalquivir notdürftig desinfizierte und den Bedarf so befriedigte.
Als im Juli 1995 selbst diese Quelle zu versiegen drohte, weil der Guadalquivir große Wassermengen an das ebenfalls stark beanspruchte Grundwasser verlor, leitete man den gesamten verbleibenden Fluß von Peñaflor bis Alcalá del Río in einen Kanal um und ließ den eigentlichen Flußlauf trockenfallen.
Man verursachte damit das Absterben von Millionen von Fischen. Dafür gelang es, die Wasserversorgung von Sevilla sicherzustellen. - Trinken wollten die Sevillanos dieses Wasser aber nicht unbedingt. Es wird geschätzt, daß in Sevilla 1995 pro Monat 12,5 Mio DM für Wasser in Flaschen ausgegeben wurde.

In den Weihnachtstagen 1995 kehrte der Regen zurück.
Die Stauseen füllten sich wieder (20% der Kapazität bereits Ende Dezember), und die kräftigen Niederschläge in der Folge sorgten dafür, daß im Jahre 1996 eine allgemeine Erholung sowohl der geschädigten Vegetation als auch der Wasserstände in Stauseen (von 25 auf 70%) und Feuchtgebieten (z.B. dem Nationalpark Coto Doñana) stattfand.
Die starken Regenfälle verursachten allerdings auch eine hohe Erosion, weil die ausgetrockneten Böden über keine schützende Pflanzendecke mehr verfügten.
In einigen Gebieten führten sie sogar zu Überschwemmungen.
 

c) Ressourcen

Zwischen der See und dem Festland besteht ein ständiger Austausch von Wassermas­sen.
Auf dem Meer übersteigt die Verdunstung die Niederschläge. Auf dem Land hingegen wird nur ein Teil dessen, was als Regen niedergeht, wieder verdunstet. Die Überschüsse strömen meist oberirdisch in Flüssen, teilweise aber auch unterirdisch als Grundwasser zurück ins Meer.
Dieser Kreislauf läßt sich in der folgenden Gleichung ausdrücken.

Niederschlag = Verdunstung + Oberflächenwasser + Grundwasser

In Andalusien sieht diese Gleichung wie folgt aus.

600 mm = 405 mm + 150 mm + 45 mm

In Wassermengen ausgedrückt sind das:

Niederschlag:               52500 Hm³ pro Jahr
Verdunstung:               35500 Hm³ pro Jahr
Oberflächenwasser:     13100 Hm³ pro Jahr
Grundwasser:                3900 Hm³ pro Jahr

Die 13100 Hm³ Oberflächenwasser verteilen sich folgendermaßen auf die verschiedenen Becken:

Guadalquivir                7800 Hm³
Sur                               2800 Hm³
Guadiana II                  1500 Hm³
Guadalete + Barbate       900 Hm³
Guadiana I + Segura      100 Hm³

Von den insgesamt 17000 Hm³ Wasser (13100+3900), die pro Jahr durch Andalusien fließen, ist jedoch nur ein Teil für den Menschen verfügbar.
Dieser Anteil nutzbaren Wassers beläuft sich auf weniger als ein Drittel und liegt bisher bei 4800 Hm³ jährlich.
Nach Becken aufgeschlüsselt, sieht die Verteilung der durchschnittlich verfügbaren Ressourcen so aus:

Guadalquivir                3100 Hm³
Sur                               1000 Hm³
Guadiana II                    350 Hm³
Guadalete + Barbate       330 Hm³
Guadiana I + Segura         20 Hm³

3300 Hm³ davon stammen aus Talsperren, 500 Hm³ entnimmt man direkt aus Flüssen ,und 1000 Hm³ werden dem Untergrund entzogen.


3. Infrastruktur

a) Flächennutzung

Die Flächennutzung hat zwar direkt nichts mit dem Wasser zu tun, aber über den Anteil, den die Landwirtschaft dabei einnimmt, nähern wir uns dem Kern des Problems.

40% Forstfläche (Wald und Buschland)   35000 km²
10%  Bebauung, Ödland, Feuchtgebiete     9000 km²
50% Landwirtschaftliche Nutzfläche       43500 km²
                         davon Trockenkulturen   36500 km²
                                    Bewässerung          7000 km²
 

gesamt                                                     87500 km²
 

b) Wasserbedarf

Den Bärenanteil des andalusischen Wassers konsumiert die Landwirtschaft, d.h. vor allem der Bewässerungsanbau.
Der gesamte Bedarf von 5400 Hm³ pro Jahr gliedert sich wie folgt auf.

Landwirtschaft                           4000 Hm³  75%
Trinkwasserversorgung                800 Hm³   15%
Industrie                                      300 Hm³     5%
andere                                          300 Hm³    5%
 

c) Talsperren

Die Gesamtkapazität der Stauseen in Andalusien beträgt 9766 Hm³.
Die Talsperren werden von den sogenannten Confederaciones Hidrograficas verwaltet. Für Andalusien ist die Confederacion Hidrografica del Guadalquivir (CHG), die sowohl für den Guadalquivir als auch für Guadalete und Barbate zuständig ist, entscheidend. Sie verfügt insgesamt über 62 Stauseen mit einer Kapazität von 8488 Hm³ (Guadalquivir 6853 Hm³, Guadalete + Barbate 1635 Hm³).
In der Karte sind neben den großen Flüssen und allen bestehenden und geplanten Talsperren auch die landwirtschaftlichen Flächen eingezeichnet, die bewässert werden (grün).
Bild 5

Außer der Funktion, Wasser zu speichern, erfüllen einige der Stauseen auch die Aufgabe der Energiegewinnung. Die Wasserkraft ist aber lediglich in der Lage, 1,5% der in Andalusien verbrauchten Energie zu generieren.

Die Stauseen sind natürlich nicht immer randvoll. Das folgende Diagramm zeigt die Menge des gestauten Wassers aller Talsperren im Becken des Guadalquivir im Laufe der Jahre.


4. Landwirtschaft

a) Rahmenbedingungen

Die Verteilung des andalusischen Agrarlandes erinnert immer noch an feudale
Strukturen. Während 70% der Betriebe weniger als 5 ha besitzen und somit zusammen über 7% der Fläche verfügen, gibt es eine kleine Anzahl (2,6%) von Großbetrieben (>100 ha), denen 65% des Territoriums gehören.

Die Landwirtschaft hatte 1993 einen Anteil von ca. 7% am Bruttoinlandsprodukt Andalusiens.(ein Drittel weniger als noch 1987) Für ganz Spanien waren es lediglich 4%.
Dieser geringe Prozentsatz steht im starken Gegensatz zu dem hohen Anteil des Wassers, den dieser Sektor konsumiert.

Neben der allgemeinen wirtschaftlichen Bedeutung des Agrarsektors nimmt auch die Anzahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft ab.
Waren 1981 noch 360000 Arbeiter beschäftigt, so lag die Zahl 1995 nur noch bei  200000 und damit bei etwa 12% der arbeitenden Bevölkerung.
Die Arbeitslosigkeit in der Landwirtschaft beträgt 45%.
(Andalusien hat mit ca. 33% die höchste Arbeitslosenrate Spaniens. Durchschnitt: 22%)

Der Ertrag pro Beschäftigtem erhöhte sich im Kontrast zu diesem Stellenabbau von 1988 bis 1995 um 150%, während die Löhne im gleichen Zeitraum nur um 70% stiegen. Sie lagen 1995 zwischen 40 und 60 DM Tagelohn.
So manifestiert sich auch hier der Trend, bei gleichzeitigem Abbau von Arbeitsplätzen den Gewinn weiter zu steigern. Denn der Wert der landwirtschaftlichen Produktion nimmt absolut zu. 1992 lag er bei 575 Mrd. Ptas. (7,2 Mrd. DM), 1995 bei 665 Mrd. Ptas. (8,3 Mrd. DM).
Von dieser Summe macht das Gemüse, das vornehmlich nach Mitteleuropa exportiert wird, ein Drittel aus. Ein weiteres Drittel stammt aus dem Olivenanbau. Olivenpflanzungen haben mit einem Viertel der Fläche räumlich gesehen den größten Anteil an der andalusischen Landwirtschaft.

1986 trat Spanien der Europäischen Union bei und öffnete damit den andalusischen Produkten neue Märkte. Davon profitierten vor allem Gemüse und  Früchte, die nun hauptsächlich für den Export nach Mitteleuropa produziert werden. Außerdem stiegen die Preise für Oliven und Reis stark an.
Dies führte zu einer gesteigerten Attraktivität der genannten Produkte. Dementsprechend wurden sie ab 1986 vermehrt angebaut.

Mit dem Vertrag von Maastricht 1992 wurde auch die Agrarpolitik der Europäischen Union neu geordnet, was eine Verschiebung der Wettbewerbsbedingungen zur Folge hatte. Insgesamt sanken die Preise, die die andalusischen Landwirte für ihre Erzeugnisse bekamen. Doch ab 1992 wurde auch die Verteilung direkter Subventionen eingeführt, die die Benachteiligung einiger Produkte auffing.

Allgemein ist zu bemerken, daß die Landwirtschaft sehr stark von den Schwankungen der Niederschläge abhängig ist. Die folgende Grafik zeigt diese Beziehung anhand der Niederschläge und des Wertes der agrarischen Produktion in der Provinz Sevilla.

Sehr hohe Niederschlagswerte sind oft auf heftige Regenfälle in den Wintermonaten zurückzuführen, wobei das Wasser nicht im gewünschten Maße für die Pflanzen verfügbar wird
Geringere Niederschläge wirken sich bei Trockenkulturen direkt in Form geringerer Erträge aus. Bei bewässerten Flächen macht es sich indirekt ebenfalls bemerkbar, da mit sinkenden Niederschlägen weniger Wasser zur Bewässerung in den Flüssen verfügbar ist.
 

b) Bewässerungsanbau

Der Bewässerungsanbau ist mit einem Anteil von 75% am Gesamtkonsum der größte Verbraucher von Wasserressourcen in Andalusien. Deswegen soll ihm hier ein eigener Abschnitt gewidmet werden.
Die Praktik, Felder zu bewässern, besitzt in Andalusien eine jahrhundertelange Tradition. Sie hat die relativ hohe Bevölkerungsdichte des Raumes überhaupt erst ermöglicht.
Bis 1954 blieb die Bewässerung auf das Südliche Becken beschränkt. Ab da fing man an, auch im Landesinneren entlang des Guadalquivir derartige Kulturen anzulegen.
1960 gab es 2500 km² bewässerte Flächen. Bis heute wurde ständig erweitert. 1996 waren es 6680 km². Das entspricht 7,7% der Fläche Andalusiens.
Der Beitritt zur EU verursachte eine Zunahme des Anbaus für den Export, wofür hauptsächlich Produkte in Frage kommen, die bewässert werden.
Diese Exportartikel erlangen gute Preise, so daß der Wert der Bewässerungsprodukte 1990 55% der spanischen Agrarproduktion ausmachte, während die bewässerte Fläche lediglich 16% der Agrarfläche betrug.
In den letzten Jahren zeigten die Olivenpflanzungen im Becken des Guadalquivir den größten Trend zu einer Ausweitung der Bewässerungsflächen (von 830 km² 1989 auf 1500 km² 1995), da die Preise für Oliven und deren Öl im offenen europäischen Binnenhandel sehr vielversprechend sind und durch die Bewässerung natürlich höhere Erträge erwirtschaftet werden können.
Zu den 6680 km² offizieller Bewässerungsfläche sind ca. 700 km² zu addieren, die nach Schätzungen im Guadalquivir-Becken illegal bewässert werden.
Die Verteilung des Bewässerungsanbaus in Andalusien wird in der Karte ersichtlich.

Bild 6

Die Verteilung dieser Bewässerungsflächen und entsprechend die Verteilung des Wasserbedarfs auf die einzelnen Becken sieht wie folgt aus:

Guadalquivir                              443000 ha     2800 Hm³
Guadalete + Barbate                    40000 ha       165 Hm³
Sur                                            160000 ha       840 Hm³
Guadiana II                                 20000 ha       155 Hm³
Segura                                           5000 ha         40 Hm³

gesamt                                      668000 ha    4000 Hm³

Auch in diesen Statistiken sind die 70000 ha illegal bewässerter Flächen nicht enthalten. Es wird jedoch geschätzt, daß sie über 400 Hm³ jährlich verbrauchen.
Die Bereitstellung von 4000 Hm³ kann natürlich nicht in jedem Jahr geleistet werden. Im folgenden Diagramm sind die tatsächlichen Wassermengen, die den Bewässerungskulturen des Regulationssystems des Guadalquivir - das sind ca. 350000 ha und damit über die Hälfte der gesamten zu bewässernden Fläche - zugeführt wurden, dargestellt.

Von den knapp 42000 km² landwirtschaftlicher Anbaufläche nimmt der Bewässerungsanbau ca. 16% ein. Vom Wert der agrarischen Endproduktion erwirtschaftet er jedoch gut 50%. Er scheint also eine äußerst effektive Form der Landnutzung zu sein.
Doch eine differenzierte Betrachtungsweise ist hier vonnöten.
Die durchschnittliche Produktivität der bewässerten Flächen (ca. 0,54 Mio Ptas/ha) beträgt das Sechsfache gegenüber Trockenkulturen.
Es gibt allerdings starke Unterschiede im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit verschiedener Anbauprodukte.
Im Südlichen Becken, wo aufgrund des maritimen und daher im Winter milden Klimas viel Gemüse angebaut werden kann, übersteigt die Produktion 1 Mio Ptas/ha, während im Becken des Guadalquivir hauptsächlich Getreide, Sonnenblumen und Oliven wachsen und der Wert lediglich bei 0,37 Mio Ptas/ha liegt.
Dies bedeutet, daß der Bewässerungsanbau im Guadalquivir-Becken durchschnittlich nur das Vierfache der vergleichbaren unbewässerten Flächen produziert. Vor diesem Hintergrund sollte der Konsum von jährlich 2800 Hm³ kritisch betrachtet werden.
Tatsächlich haben Untersuchungen der Universität Córdoba gezeigt, daß der bewässerte Anbau von Mais, Zuckerrübe und Sonnenblume eigentlich unrentabel und im europäischen Kontext nicht wettbewerbsfähig ist, da durch den Einsatz der Bewässerungsmethoden nicht nur die Erträge, sondern auch die Produktionskosten steigen.
Über die Wasserpreise werden diese Produkte jedoch subventioniert und damit ihr Anbau erst ermöglicht.
Eine Erhebung 1988 stellte fest, daß der durchschnittliche Preis, den die Landwirte zahlten, bei 1,34 Ptas/m³ Wasser lag, während die Kosten für die Bereitstellung 13,8 Ptas/m³ betrugen. Das bedeutet eine Subvention von über 90%. (Auch im Trinkwasserbereich liegt diese Subvention noch bei 25%)
Schuld hieran ist, daß der Wasserpreis den Landwirten in Spanien pro Fläche berechnet wird und nicht nach Verbrauch.
Das bringt mit sich, daß es keinen ökonomischen Anreiz für sie gibt, sparsam mit dem Wasser umzugehen. Im Gegenteil: ein sparsamer Umgang würde bei gleichen Wasserkosten die Erträge möglicherweise verringern.
Diese widersinnige Organisation der Wasserverteilung können wir als eine der zentralen Ursachen der Wasserknappheit in Andalusien betrachten.
Doch es wird nicht einfach sein, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Denn die Agrarlobby hat bisher jegliche Einschränkungen auf diesem Gebiet erfolgreich zu verhindern gewußt. Es handelt sich hierbei nämlich auch um eine Frage nach Arbeitsplätzen. Es verdanken immerhin etwa 50% der Beschäftigten in der Landwirtschaft ihren Arbeitsplatz der Bewässerung.
Die große Dürre verursachte allein in den 4 Jahren von 1992 bis 1995 Einbußen von 500 bis 700 Mrd. Ptas und kostete schätzungsweise 20000 Arbeitsplätze.
Das sind schlechte Voraussetzungen, wenn man die Forderung vertritt, die Landwirtschaft solle den tatsächlichen Preis des Wassers zahlen.

Seit Maastricht hat die Attraktivität von Exportprodukten wie Reis, Oliven und deren Öl, Gemüse und Obst zugenommen.
Beim Reisanbau erwirtschaftet ein Arbeiter an einem Tag etwa 34000 Ptas, während der durchschnittliche Tagelohn lediglich bei etwa 4000 Ptas liegt. Dieses Verhältnis hat dazu geführt, daß arbeitslose Landarbeiter auf öffentlichem Land 7000 ha Reisfelder anlegten. (Reis hat einen Wasserbedarf von etwa 12000 m³/ha.)
1995 wurden 20000 ha Olivenpflanzungen mehr bewässert als noch im Vorjahr, weil sich der Preis für Oliven innerhalb von drei Jahren verdoppelt hatte und das Öl immerhin 50% mehr einbrachte.
Auch die intensiven Gemüsekulturen, die wegen des milden Klimas fast nur nahe der Küsten angebaut werden, erzeugen einen hohen Gewinn.
Die Produktion von Gemüse und Oliven erwirtschaftet jährlich einen Gegenwert von 5,5 Mrd. DM - etwa zwei Drittel der gesamten landwirtschaftlichen  Produktion.
Grob zusammengefaßt finden wir in den Küstenzonen den Anbau von arbeitsintensiven und sehr produktiven Gemüsekulturen, die eine hohe Anzahl an Beschäftigten sowohl pro Hektar als auch pro verwendetem Hm³ Wasser aufweist, während im Inland extensive Pflanzungen von Oliven, Sonnenblumen und Rüben dominieren, die von der Generation von Arbeitsplätzen und Werten her gesehen das Wasser weniger effizient nutzen.

Allgemein gilt, daß noch ein hohes Modernisierungspotential vorhanden ist, da in der Vergangenheit seitens der Landwirtschaft kein großer Wert auf die sparsame Verwendung der Wasserressourcen gelegt wurde.

Ob der Erhalt der unrentablen Bewässerungsflächen volkswirtschaftlich sinnvoll ist, darüber streiten sich Wirtschaftsexperten, ohne daß ein klares Ergebnis erkennbar wäre. Fakt ist jedoch, daß der andalusische Bürger den Bewässerungsanbau über die Wasserpreise subventioniert.


5. Umwelt

a) Quantitative Probleme

Wenn ein Bauer seine Felder nicht bewässern kann, wenn die Bevölkerung Trinkwasserrestriktionen zu erleiden hat, oder auch wenn ein Fluß austrocknet und seine Fische sterben, d.h. vor allem in Zeiten der Dürre, macht sich bemerkbar, daß in Andalusien ein quantitatives Wasserproblem besteht.

Vordergründig ist das trockene Klima für diesen Mangel verantwortlich. Doch das ist die falsche Betrachtungsweise. Nicht beim Klima liegt das Problem, wenn der Mensch damit nicht klarkommt. Die Ursache ist, daß der Mensch seine Aktivitäten dem Klima mangelhaft angepaßt hat. Als Beispiel dafür seien hier nur die Golfplätze genannt, derer es 63 in Andalusien gibt.

Daß die Bauern - die Reisproduzenten sind davon besonders betroffen - am unteren Guadalquivir nicht in ausreichendem Maße bewässern können, wenn am Oberlauf zu viel Wasser entnommen wurde, ist ein einfacher Zusammenhang.
Doch es gibt auch Probleme, die weniger leicht ersichtlich sind.

Von den 3900 Hm³, die jährlich durch den Untergrund fließen, werden 1000 Hm³ genutzt. 80% davon verbraucht die Landwirtschaft, 20% werden wegen der hohen Qualität zur Trinkwasserversorgung verwendet. 45% des andalusischen Trinkwasserbedarfs wird so aus dem Grundwasser befriedigt.
Die Funktion des Grundwassers ist bisher die einer Reserve, eines Puffers.
In den Jahren der großen Dürre wurde verstärkt auf Grundwasser zurückgegriffen, da es ja an Oberflächenwasser mangelte. In vielen Gebieten sank der Grundwasserspiegel. 1996 und 1997 begannen sich die Grundwasserbestände aufgrund der großen Menge an Niederschlägen langsam wieder zu erholen.
Es gilt hier nun zu verhindern, daß die in Notzeiten zwangsläufig erschlossenen Quellen auch unter normalen Umständen ausgiebig genutzt werden. Damit könnte man zwar unter dem Strich die verfügbaren Ressourcen erhöhen, doch der Wasserbedarf würde sich schnell den neuen Gegebenheiten anpassen, und die Pufferfunktion des Grundwassers wäre verloren.

Im Südlichen Becken und an Guadalete, Barbate und Guadiana bewässert man zu beinahe 60% mit Grundwasser.
Das ist besonders gravierend, da es sich bei diesen Becken überwiegend um küstennahe Gebiete handelt. Denn das Phänomen, das hier auftritt, ist das Eindringen von Salzwasser in den Untergrund.
Wenn man dem Grundwasser pro Jahr mehr Volumen entzieht als durch Regen und Flüsse infiltriert wird, sinkt der Grundwasserspiegel.
Im Inland ist damit das Problem bereits genannt. Man muß immer tiefer bohren und hat irgendwann gar kein Grundwasser mehr.
An der Küste jedoch dringt Meerwasser nach. Zuerst fördert man Brackwasser zu Tage, und wenn man die Nutzung uneingeschränkt fortsetzt, ist schließlich das Grundwasser völlig salzig.
Derartige Probleme gibt es entlang der gesamten andalusischen Küste, besonders aber in den Provinzen Huelva und Almería, da hier das Wasser für die Landwirtschaft, die ja den größten Teil des Verbrauchs ausmacht, fast ausschließlich (83% bzw. 68%) aus dem Grundwasser stammt.
Brackwasser kann bei geringem Salzgehalt noch den erwünschten Effekt bei den bewässerten Pflanzen haben. Deshalb wurde in Almería stellenweise auch nach Eintreten des beschriebenen Phänomens das Grundwasser zur Bewässerung genutzt. Das führte zur Versalzung der entsprechenden Böden, so daß diese nun auf Jahrzehnte hin unbrauchbar sind.

Auch auf die Bevölkerung, deren Wasserversorgung eigentlich Priorität haben sollte, wirkt sich die Wasserknappheit aus.
In den Jahren der großen Dürre sahen sich große Teile der Bevölkerung mit restriktiven Maßnahmen, die eine Reduktion des Verbrauchs zum Ziel hatten, konfrontiert. Dabei mußte das Netz in Sevilla z.B. für 12 Stunden am Tag gesperrt werden, um eine Einsparung von 30% zu erreichen, da der Verbrauch durch die eingeschränkte Verfügbarkeit nicht in gleichem Maße sank.
Teilweise wurde die Bevölkerung in den Küstengebieten gar mit Brackwasser versorgt.

An Wasserquantität mangelt es jedoch nicht überall in Andalusien.
Im Becken des Guadiana, der an der spanisch-portugiesischen Grenze in den Atlantik mündet, gibt es viel Wasser, aber wenig Bedarf. Auch der Westen des Südlichen Beckens hat einen Überschuß aufzuweisen.
Doch die Praktik, Wasser mit dem Tanker von Huelva nach Cádiz zu bringen, mag für extreme Dürrezeiten zu rechtfertigen sein, eine langfristig praktikable Lösung ist es nicht.
Auf lange Sicht wird sich der Bedarf den natürlichen Gegebenheiten anpassen müssen, oder aber die natürlichen Gegebenheiten werden durch Umleitungen etc. angepaßt. Doch dazu mehr im letzten Kapitel.
 

b) Qualitative Probleme

Zur Knappheit des Wasser kommt außerdem noch seine oft schlechte Qualität.
Diese beiden Bereiche sind allerdings nicht völlig getrennt zu betrachten, da mit abnehmender Menge des Wassers die Schadstoffe in Abwässern immer weniger verdünnt werden und die Qualität dementsprechend ebenfalls nachläßt.

Als tieferliegender Grund für die Probleme bezüglich der Wasserqualität in Andalusien ist mangelndes oder gerade erst aufkommendes Bewußtsein anzuführen.
Die Auswirkungen sind das Fehlen von Kläranlagen für einen beachtlichen Teil der Siedlungen und Industrieanlagen und stark verschmutzende Praktiken in der Landwirtschaft.

Es gibt in Andalusien immer noch Großstädte wie Cádiz, Huelva, Jaén oder gar Málaga, deren Abwässer ungeklärt in den Guadalquivir bzw. ins Meer geleitet werden.
Man hat sich das Ziel gesetzt, mit Investitionen von 347 Mrd. Ptas (4,3 Mrd DM) bis zum Jahr 2005 für alle Orte mit mehr als 2000 Einwohnern Kläranlagen zu errichten. Zeitliche Priorität genießen dabei die Küstengebiete, wo momentan etwa ein Drittel des Abwassers geklärt wird, und die wegen der großen Bedeutung des touristischen Sektors zuerst bedient werden sollen.
Bisher ist die Situation so ungünstig, daß in offiziellen Verlautbarungen lediglich die Zahl der Einwohneräquivalente genannt wird, deren Abwässer bereits geklärt werden, aber nicht die Zahl der Einwohner ohne Abwasserklärung.
Von den bereits bestehenden Anlagen funktionieren leider 17% schlecht oder gar nicht.
Auch mit der Trinkwasserversorgung klappt es nicht sehr gut. 47% der Bevölkerung beziehen mangelhaft desinfiziertes Wasser.

Auch die Landwirtschaft mit ihren Folgeindustrien ist ein großer Wasserverunreiniger in Andalusien.
Eine herausragende Rolle nimmt dabei die Olivenverarbeitung ein. Bei einer durchschnittlichen Ernte belastet sie das Becken des Guadalquivir mit 3,5 Mio Einwohneräquivalenten. Bei einer Spitzenernte steigt diese Belastung auf 11 Mio Einwohneräquivalente. Daß das Spuren hinterlassen muß, ist offenbar. Eine Umstellung auf weniger belastende Produktionsmethoden unterblieb bisher, da sie hohe Investitionen erfordert.

1995 wurden für 18 Mrd. Ptas Pestizide verkauft und insgesamt 726000 t Düngemittel umgesetzt. (Das entspricht 230 kg/ha.)
Der Einsatz von Pestiziden hat in den vergangenen zehn Jahren um 80% zugenommen. Ein Teil davon wird in die Flüsse und ins Grundwasser gewaschen.
Die Düngung hat ihren Zenit glücklicherweise bereits überschritten. (1990 80 kg N2/ha, 1995 50 kg N2/ha)
Bei einer Studie im Jahre 1987 wiesen 30% der Grundwasserreservoirs Nitratkonzentrationen von über 50 mg/l auf. Es wurden Werte von bis zu 320 mg/l gemessen.
In Gegenden mit intensiver Landwirtschaft ist das Grundwasser oft schon zu kontaminiert, um als Trinkwasser genutzt werden zu können.
50% der Stauseen sind aufgrund der Nährstofffracht, die die landwirtschaftlichen Abwässer mit sich bringen, eutrophiert.

Aber auch die Industrie hat einen bedeutenden Anteil an der Verschmutzung der andalusischen Gewässer, der sich jedoch nur schwer quantifizieren läßt, da viele, vor allem kleinere, Industriebetriebe ihre Wasserversorgung und Abwasserentsorgung über das öffentliche Netz der Städte abwickeln und somit in deren Statistik eingehen.
 

c) Erosion

Erosion ist ein Thema, das eigentlich weniger mit Wasser etwas zu tun hat als vielmehr mit Boden. Doch auch hier bestehen zahlreiche Verknüpfungen.
Zum einen wird der Boden vornehmlich vom Wasser abgetragen und in ihm transportiert.
Zum anderen hat der Boden einen großen Einfluß auf den Wasserhaushalt, da sich mit zunehmender Pflanzendecke die Speicherkapazität erhöht. D.h. Niederschläge fließen in zunehmendem Maße zeitlich verzögert ab. Mit Fortschreiten der Erosion verringert sich dieser Effekt und bei nacktem Gestein geht er gegen null, so daß dieser Boden weder gegen Dürrezeiten noch gegen Überschwemmungen Schutz bietet.

In Andalusien ist die Erosion eine der höchsten Europas. Es werden jährlich ca. 300 Mio t Boden abgetragen. Gründe dafür sind sowohl klimatische Gegebenheiten (Trockenheit, sporadische heftige Niederschläge) als auch anthropogene Einwirkungen (Entwaldung).

40% der Fläche unterliegen heftigen Erosionsprozessen. Besonders sind davon die südöstlichen Provinzen Jaén, Granada, Málaga und Almería betroffen, wie man auf der Karte der Erosionsniveaus an der dunklen Färbung erkennen kann.

Bild 7

In den Alpujarras der Sierra Nevada (Provinz Granada) beträgt die Erosion bis zu  200 t/ha im Jahr.
Im gesamten Südlichen Becken werden durchschnittlich fast 50 t/ha/Jahr erodiert.
Man schätzt, daß die andalusischen Stauseen jedes Jahr durch den Eintrag von Sedimenten 18 Hm³ ihrer Kapazität verlieren.

Die Regenfälle, die im Winter 95/96 die lange Dürre beendeten, hatten besonders fatale Folgen, da die Pflanzendecke durch die lange Trockenzeit sehr stark reduziert war und so dem Boden keinen ausreichenden Schutz mehr bot.

Von Dezember 1996 bis Januar 1997 fielen ebenfalls sehr heftige Niederschläge, die eine hohe Erosion verursachten.
Im Südlichen Becken wurden in diesen beiden Monaten 70 Mio t Boden erodiert. Das entspricht 37 t/ha für das gesamte Becken. (12-50 t/ha/Jahr wird als mittleres Erosionsniveau angesehen.)
Wenn man bedenkt, daß diese 37 t/ha ein Durchschnittswert für eine Fläche von über 18000 km² sind und außerdem innerhalb von nur 2 Monaten zustande kamen, wird das Ausmaß der Erosion deutlich.

Ein Thema, das sehr eng mit der Erosion zusammenhängt, sind Waldbrände.
Durch diese Ereignisse wird der Boden seiner schützenden Pflanzendecke beraubt und äußerst anfällig für Erosionsprozesse.
Erfahrungsgemäß erhöht sich die jährliche Erosion einer Fläche nach einem Waldbrand je nach Gefälle bis auf das Zehnfache.
Waldbrände sind in Andalusien ein weitverbreitetes Problem, da die sommerliche Trockenheit diesen sehr förderlich ist.
Im Jahrzehnt 1985-95 verbrannten 1521 km² Andalusiens.
Dieser Entwicklung wird jedoch mit Aufforstungen entgegengewirkt.
So wurden im gleichen Zeitraum 1852 km² aufgeforstet.
Noch bis in die 80er Jahre verwendete man dafür lediglich Pinien und teilweise sogar exotische Arten, wie z.B. Eukalyptus, der zwar schnell wächst, dem Boden aber nicht viel Gutes tut. Aber inzwischen hat man erkannt, daß es nicht nur auf das Wieviel, sondern auch auf das Wie der Aufforstungen ankommt. Heute werden nur noch autochthone Mischwälder angepflanzt.
Allerdings ist fraglich, ob der gegenwärtige Umfang ausreicht, um dem Bodenverlust entgegenzuwirken.

Nach Waldbränden führt die andalusische Umweltbehörde auch kleinere Maßnahmen zur Erosionsbekämpfung in Form von Rückhaltedämmen durch, die in der Lage sind, das Abschwemmen des erodierten Bodens zu verhindern. So wird die Kapazität der Stauseen etwas geschont und außerdem die Wasserqualität verbessert, da die Asche, die sonst mitgetragen würde, eine erhebliche Verunreinigung bedeutet.
 

d) Sonderfall Coto Doñana

Der Nationalpark Coto Doñana, der im Mündungsgebiet des Guadalquivir liegt,  ist eines der wichtigsten Feuchtgebiete ganz Europas. Aus diesem Grunde wurde er zum Weltnaturerbe ernannt.

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Das schützt ihn jedoch nicht vor Trockenheit. Er wurde von der Dürre 1990-95 genauso hart getroffen wie der Rest des Landes.
Doch in den beiden darauffolgenden Jahren erholte sich die Natur wieder.
An das Klima sind die Organismen demnach angepaßt. Allerdings fallen die menschengemachten Belastungen unter extremen Bedingungen besonders ins Gewicht. Das Wasser des Guadalquivir ist mit organischen Stoffen, Schwermetallen und Pestiziden aus der Landwirtschaft belastet, und sowohl die großen Ansammlungen von Touristen, die sich besonders auf dem schmalen Küstenstreifen finden, als auch die Bewässerungsfelder haben einen hohen Wasserbedarf, der zu einem Teil aus dem Grundwasser befriedigt wird, weshalb dieses bereits stark versalzt ist.

Im Zuge der hydrografischen Planung wurde nun ein Projekt vorgeschlagen, bei dem eine Schleuse oberhalb des Nationalparks den Guadalquivir während der Sommermonate stauen soll. Damit könnte man an die 100 Hm³/Jahr für die Bewässerung gewinnen. Für den Nationalpark hätte diese Schleuse jedoch fatale Auswirkungen, da sie die momentanen Verhältnisse bezüglich des Salzgehalts des Wassers völlig durcheinanderbringen würde. Es ist kaum vorherzusagen, wie die Organismen des Parks auf die veränderten Bedingungen reagieren würden bzw. welche Organismen weiterhin existieren könnten.
Da die illegalen Bewässerungsflächen, die im Becken des Guadalquivir bestehen, viel mehr Wasser verbrauchen als durch die Schleuse gewonnen würde, wird das Projekt von Naturschützern abgelehnt.
Tatsächlich erscheint es wenig sinnvoll, ein Weltnaturerbe einer ungewissen Zukunft zu überlassen, anstatt die bestehenden Gesetze durchzusetzen.

Es existiert ein Plan (Plan de desarrollo sostenible del entorno de Doñana), dessen Ziel es ist, das Delta nachhaltig zu entwickeln.
Dieser Plan bringt aber in Wirklichkeit kaum Fortschritte für den Natur- und Ressourcenschutz, sondern dient der Durchführung von Erschließungsmaßnahmen, die sich unter dem Vorwand der Nachhaltigkeit einfacher durchführen lassen. Ob der Plan zur nachhaltigen Nutzung des Raumes führen wird, ist also mehr als fraglich.


6. Umgang mit den Problemen

a) Organisation

Seit 1985 gibt es in Spanien ein neues Wasserrecht (Ley de Aguas). Hierin sind die Kompetenzen bezüglich des Wassers geregelt.
Das Wasser wird als Allgemeingut angesehen. Seine Verwendung hat als wichtigstem Zweck der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung zu dienen. Als untergeordnete Nutzungen sind der Reihe nach Landwirtschaft, Energiegewinnung, Industrie und Freizeitnutzung angesiedelt.
Die wasserbauliche Planungskompetenz liegt bei den sogenannten Confederaciones Hidrográficas der einzelnen Becken. Für Andalusien sind im wesentlichen die Confederación Hidrográfica del Guadalquivir (CHG) und die Confederación Hidrográfica del Sur de España (CHS) zuständig.
Auf der Karte ist die Einteilung Spaniens nach diesen Confederaciones zu sehen.

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Die Kompetenz für die Trinkwasserversorgung liegt nach dem Gesetz bei den Kommunen selbst.
Doch in der Praxis sind es die Confederaciones, die über das Wasser verfügen und darüber entscheiden, wieviel in den Kommunen ankommt.
Da die Confederaciones direkt der spanischen Regierung unterstellt sind, wird also faktisch die Wasserpolitik zentral geregelt, und die Autonomías - Andalusien in diesem Fall - haben nur wenig Einfluß auf die Planungen.
Praktisch sieht das so aus, daß die CHG und die CHS in unserem Fall je einen Plan für ihr Becken entwerfen, in dem der zukünftige Bedarf und die zukünftigen Ressourcen abgeschätzt werden. Diese einzelnen Pläne werden dann unter einem nationalen Plan, dem sogenannten Plan Hidrológico Nacional (PHN), vereinigt.
 

b) Lösungsansätze

In der aktuellen Situation besteht unter dem Strich in Andalusien ein Wasserdefizit von 600 Hm³ jährlich, erklärbar aus 4800 Hm³ verfügbaren Ressourcen und 5400 Hm³ Bedarf. Diese Rechnung spiegelt jedoch die tatsächlichen Verhältnisse nur ungenügend wider, da Andalusien kein System ist, in dem das Wasser zwischen verschiedenen Regionen frei beweglich wäre.
Im einzelnen sieht die Situation folgendermaßen aus.
Das Becken des Guadiana weist, genau wie der Oberlauf und die nördlichen Nebenflüsse des Guadalquivir, einen großen Überschuß auf.
Die südliche Hälfte des Guadalquivir-Beckens leidet unter einer starken sowohl natürlich bedingten als auch durch die Landwirtschaft verursachten Kontaminierung ihrer Gewässer. Geotechnische Hindernisse erschweren zudem die Konstruktion weiterer Talsperren, so daß hier ein großer Teil des Bedarfs aus dem Grundwasser befriedigt werden muß. Ein Großteil des Wasserbedarfs in Form von Bewässerungsflächen konzentriert sich in diesem Becken direkt entlang des Guadalquivir. Dieser kann aus den Stauseen der nördlichen Zuflüsse nicht vollständig gedeckt werden.
Die in den zentralen Bergen gelegenen Täler von Antequera, Ronda und Granada weisen eine einigermaßen ausgeglichene Bilanz auf.
Die Becken von Guadalete und Barbate, die im wesentlichen in der Provinz Cádiz liegen, bieten nicht genug Wasser, um den hohen urbanen Bedarf der sogenannten Zona Gaditana (Cádiz und die umgebenden Städte) und der Bewässerungsflächen entlang des Guadalete zu versorgen. Um hier Abhilfe zu schaffen, sind bereits die Arbeiten im Gange, um Wasser vom Guadiaro (westl. Südliches Becken) ins Becken des Guadalete umzuleiten.
Das Südliche Becken hat einen stark überschüssigen Westen. Je weiter man nach Osten kommt, desto größer wird das Defizit. Almería, ganz im Osten gelegen, ist als Wüstenprovinz bekannt.

Das globale Wasserdefizit Andalusiens beträgt lediglich 600 Hm³. Die Summe der aufgeführten lokalen Defizite beläuft sich jedoch auf etwa 950 Hm³ pro Jahr.
Mit dem ersten PHN, der 1992 vorgestellt wurde, unternahm man den Versuch, dieses Defizit zu bereinigen. Der PHN umfaßte Planungen bis zum Jahre 2012 und einen Etat von ca. 45 Mrd. DM. Er ging von einem weiteren Wachstum sowohl der bewässerten Flächen in der Landwirtschaft als auch des Wasserbedarfs von Industrie und Bevölkerung aus. Diese Steigerungen im Bedarf sollten durch gigantische Umleitungen aus dem Norden Spaniens, wo Wasser überreichlich vorhanden ist, abgedeckt werden.
Es wurde das SIEHNA (Sistema Integrado de Equilibrio Hidráulico Nacional) eingeführt, das System, mit dessen Hilfe man die Defizite der verschiedenen Becken ausgleichen will. Darunter auch das des Guadalquivir und des Südlichen Beckens.
Dazu war aus dem SIEHNA die Umleitung von 100 Hm³ ins Guadalquivir-Becken und von 105 Hm³ ins Südliche Becken geplant. Außerdem enthielt der Plan Umleitungen von 100 Hm³ aus dem Guadiana in Richtung Guadalquivir, 110 Hm³ aus dem Guadiaro Richtung Guadalete und 50 Hm³ aus dem oberen Guadalquivir Richtung Almería.
Daneben waren weitere Talsperren und auch Einsparungsmaßnahmen projektiert, um das Defizit zu beheben und ein weiteres Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.
Da dieser PHN jedoch die neue gemeinsame europäische Agrarpolitik überhaupt noch nicht berücksichtigte, wurde er vorerst zurückgewiesen. Es sollten zunächst vom Landwirtschaftsministerium Pläne zur Entwicklung des Bewässerungsanbaus konform mit den EU-Richtlinien entwickelt werden. An diesen Plänen sollte sich schließlich der PHN mit seinen Schätzungen über den zukünftigen Bedarf orientieren.
Wenn man den PHN kritisch betrachtet, fällt auf, daß er im zeitlichen Zusammenhang mit einer Wahl in Spanien stand und wohl nicht frei von wahltaktischen Überlegungen war. Denn im PHN wird mit großen Worten die Erfüllung der Träume Joaquin Costas, des großen spanischen Kanalbauers des beginnenden 20. Jahrhunderts, verkündet. Man behauptet, die Ungerechtigkeit der Natur (Wasser für Nord-, Dürre für Südspanien) nun endgültig auszugleichen. Daß das eher populistisch motivierte als wissenschaftlich begründete Argumente sind, liegt auf der Hand.
Der vorgelegte PHN enthielt eine lange Liste von angeblich notwendigen neuen Staudämmen und Kanälen.
Es wurde wiederholt der Verdacht geäußert, diese großen Konstruktionen seien der eigentliche Zweck, den die Initiatoren des PHN verfolgten.
Dies ist nicht völlig von der Hand zu weisen.
Es existiert kaum eine Lobby, die das Projekt massiv vorantriebe, wenn nicht die großen Konstruktionsfirmen, die jedoch nicht im Vordergrund agieren. Denn dann wäre ja sehr schnell deutlich, was gespielt wird.
Wenn man die Statistik betrachtet, wird klar, daß neue Talsperren kaum einen Ausweg aus der aktuellen Mangelsituation darstellen, da trotz ständiger Erhöhung der Kapazität von 20000 Hm³ auf 53000 Hm³ die gespeicherte Wassermenge der Stauseen Spaniens seit den 60er Jahren zwischen 15 und maximal 28000 Hm³ (1989) schwankt.
Im Diagramm sind die Wasserstände im Fünfjahresrhythmus angegeben, so daß kurzfristige Schwankungen nicht ersichtlich werden.

Die Entwicklung im Becken des Guadalquivir verlief ähnlich. (siehe 3.c.)

Der vom Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Plan (Plan de Regadíos) kommt mit dem Horizont im Jahre 2005 (PHN: 2012) auf ähnliche Zahlen bezüglich der umzuleitenden Wassermenge wie der PHN. Man beabsichtigt, insgesamt in der Landwirtschaft 700 Hm³ einzusparen, aber auch mit 650 Mio DM (21% des Etats dieses Planes) neue Bewässerungsflächen mit einem Wasserbedarf von 427 Hm³ zu fördern, was die Umleitungen erforderlich macht.

Ein vorbildliches Beispiel für den Umgang mit den Problemen der Wasserqualität bietet der Fluß Guadalete in der Provinz Cádiz.
Bis in die 80er Jahre galt der Guadalete als der schmutzigste Fluß Andalusiens.
Im Jahre 1988 jedoch hatten die Proteste von Naturschützern und Anwohnern Erfolg: vom Präsidenten der andalusischen Regierung wurde der „Plan de Recuperación y Mejora del Río Guadalete“ (Plan zur Erholung und Verbesserung des Guadalete) ins Leben gerufen.
Zur Ausarbeitung dieses Planes setzten sich alle öffentlichen und privaten Organisationen, die etwas mit dem Thema zu tun haben, zusammen.
Es entstand ein Konzept, das den Bau vieler Kläranlagen für städtische und Industrieabwässer, Aufforstungen zur Verringerung der Erosion und Verbesserung der Wasserqualität und sogar die Schaffung von Freizeiteinrichtungen enthielt.
Auf diese Weise wurde der Guadalete von einem Schandfleck zu einem Beispiel für ganz Spanien, das zeigt, daß alle sozialen Kräfte zusammenwirken müssen, um die verträgliche Nutzung und Erhaltung der Flüsse zu erreichen.
Auf der Ebene ganz Andalusiens verfolgte der Acuerdo Andaluz por el Agua ähnliche Ziele.

Der Acuerdo Andaluz por el Agua, eine Art runder Tisch, wurde seit 1991 von der CEPA (Coordinadora Ecologista Pacifista Andaluza), der wohl bedeutendsten andalusischen Naturschutzorganisation gefordert. 1993 kam er schließlich zustande. Daran nahmen neben den Verwaltungsorga­nismen aller Ebenen (kommunal bis national) Vertreter der verschiedenen Inte­ressensgruppen, die etwas mit dem Wasser zu tun haben, sprich: Agrar-, Natur­schutz- und Verbraucherverbände, teil.
Es bestand Einigkeit unter all diesen Organisationen, daß die Einsparung von Wasser Vorrang haben müsse vor der Erschließung neuer Ressourcen.
Es wurde ein Katalog von Maßnahmen zusammengestellt, die für den Wasserhaushalt Andalusiens von Bedeutung und daher im Interesse aller sind.
Natürlich nahm der Acuerdo Andaluz por el Agua auch zum PHN Stellung.
In dieser Stellungnahme wurde auf der einen Seite gefordert, schärfere Sparmaßnahmen zu planen und die Effizienz der Wassernutzung auf vielen Gebieten zu erhöhen. Auf der anderen Seite nutzte man die Gunst der Stunde dazu, eine höhere Wachstumsrate der Wirtschaft und Landwirtschaft und als Konsequenz höhere Wassermengen aus dem SIEHNA für Andalusien zu proklamieren. Dies wurde allerdings von den Naturschützern nicht mitgetragen. Sie waren der Meinung, ein angemessenes Wachstum sei vollständig durch Einsparungsmaßnahmen mit eigenen Ressourcen zu erreichen.

Der Wasserpreis ist ein Schlüssel zur Eindämmung der Ressourcenverschwendung in der Landwirtschaft. Beim Acuerdo Andaluz por el Agua waren sich alle Beteiligten - die Vereinigung der Bewässerer ausgenommen - einig, daß zumindest ein Kubikmeterpreis eingeführt werden müßte anstelle des Flächenpreises, den die Landwirte im Moment für die Bewässerung zahlen. Bisher konnte das jedoch leider nicht durchgesetzt werden.

Die andalusische Regierung stellte als eine Folge des Acuerdo Andaluz por el Agua  Ende 1996 einen Plan vor (Plan Director de Infraestructuras de Andalucía), in dem die wichtigsten Aktionen bezüglich des Wassers bis zum Jahre 2007 enthalten sind.
Verbindlichen Charakter haben dabei die Einsparungsmaßnahmen, die von der andalusischen Regierung als Priorität angesehen werden. Es ist geplant, das Wassersparen im urbanen Sektor zu fördern und die teilweise immensen Verluste durch undichte Stellen in den Wassernetzen zu verringern. Es sollen viele neue Kläranlagen gebaut werden. (Genaueres zu diesem Punkt siehe 5.b.)
Durch die Modernisierung des bestehenden Bewässerungsfeldbaus sollen im landwirtschaftlichen Sektor wichtige Einsparungen vorgenommen werden. Die Erschließung neuer Flächen der Bewässerung muß nach Ansicht der andalusischen Regierung dahinter zurückstehen.
Hinsichtlich der Wasserverteilung hat dieser Plan lediglich empfehlenden Charakter. Doch werden die Anregungen aus dem PHN gern aufgegriffen und jeweils 300 Hm³ aus dem SIEHNA für den Guadalquivir und für die Provinz Almería gefordert.

Ein Problem liegt darin, daß die Autonomía keinerlei Kompetenzen bezüglich der hydrografischen Planung besitzt. Daher kann selbst eine Übereinkunft aller Gruppierungen in Andalusien der Zentralregierung lediglich Empfehlungen geben.
In der aktuellen Situation versucht man in Andalusien, mit der Veranschlagung eines hohen Wachstums möglichst viel Wasser aus dem SIEHNA vom „Vater Staat“ zugesprochen zu bekommen.
Da so die Verantwortung teilweise abgeschoben werden kann, ist man nicht darauf angewiesen, realistisch zu bleiben. Hätte die Autonomía die volle Kompetenz für ihr Gebiet und für ihr Wasser (die CEPA fordert die Übertragung von CHG und CHS an die Autonomía), wäre man gezwungen, die Planungen an den tatsächlich verfügbaren Ressourcen zu orientieren.

Naturschützer fordern eine drastische Einsparung im Wasserverbrauch auf verschiedenen Sektoren, die die großen Umleitungen aus dem Norden Spaniens (über das SIEHNA) erübrigen könnten.
Tatsächlich ist ein großes Sparpotential vorhanden. Besonders in der Landwirtschaft würden Verbesserungen in der Effizienz der Wassernutzung eine enorme Wirkung zeitigen. Zu diesem Zweck sollte Geld in die Forschung investiert werden und z.B. enger mit israelischen oder kalifornischen Universitäten und Agrarverbänden zusammengearbeitet werden, da man dort vor ähnlichen Problemen steht und sich schon einiges Know-how angeeignet hat.


7. Ausblick

Seit jeher ist die Verfügbarkeit von Wasser der determinierende Faktor für die Besiedlung Andalusiens und nicht nur Andalusiens gewesen.
Doch nun soll der Unsicherheitsfaktor Wasser als solcher ausgeschaltet werden.
Bisher war es immer so gewesen, daß der Mensch sich mit seinen Aktivitäten dem Klima und den verfügbaren Ressourcen anpassen mußte. Man versucht nun, durch Stauseen und Umleitungen die Ressourcen dem Bedarf anzupassen.
Ob dies gelingt oder ob dieses Konzept sich in der spanischen Öffentlichkeit überhaupt gegen die Interessen von Naturschützern und anderen durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.
Der PHN jedenfalls war mit seinen kostenintensiven Umleitungsprojekten kein Zeichen einer vorausschauenden Politik. Er war aber der Stein des Anstoßes, der eine weiterführende Diskussion über die hydrografische Planung auslöste. Auch die Dürre von 1990-95 trug dazu bei, die Bevölkerung für das Problem zu sensibilisieren.
In die Überlegungen werden nun auch die Veränderungen, die der Klimawandel, der uns bevorzustehen scheint, mit sich bringen könnte, mit einbezogen. Da auf diesem Gebiet alle Schätzungen noch sehr ungenau sind, müssen grundsätzlich Voraussichten der Ressourcen auf 20 Jahre (wie im PHN) stark hinterfragt werden. Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climatic Change) geht davon aus, daß für die Iberische Halbinsel die Klimaerwärmung heftigere Niederschläge im Winter und trockenere Sommer mit sich bringen wird, so daß mit einer Verringerung der verfügbaren Ressourcen durchaus gerechnet werden muß.
 

Wir befinden uns momentan weltweit in einem Prozeß, der Globalisierung genannt wird. Dieser Prozeß sorgt dafür, daß die Gebiete, die für den Weltmarkt produzieren, einen Vorteil erlangen gegenüber den Gebieten, in denen dies nicht der Fall ist.
Konkret sieht das in Andalusien so aus, daß der Küstenstreifen, der unter intensiven Anbaumethoden für den mitteleuropäischen Markt produziert, sehr wirtschaftlich ist. So werden z.B. 25% der landwirtschaftlichen Produktion in der Provinz Almería erwirtschaftet, die allerdings ein großes hydrologisches Defizit aufweist. Diese Landwirtschaft besitzt ein hohes Wachstumspotential, das jedoch durch den Faktor Wasser aufgehalten wird.
Auch der Tourismus ist in Andalusien stark im Wachstum begriffen und verlangt nach mehr Wasser. 1996 verzeichnete die Autonomía 7,3 Mio Besucher. (Bei 7,3 Mio Einwohnern !) Die Touristen konzentrieren sich ebenfalls entlang der Küste.
Es erscheint nun gut und richtig, für diese beiden sehr produktiven Sektoren der andalusischen Wirtschaft die notwendigen Wasserressourcen mit allen Mitteln zur Verfügung zu stellen.
Doch die spanische Verfassung schreibt (wie die deutsche auch) einen Ausgleich bzw. eine gleichmäßige Entwicklung aller Landesteile als Staatsziel fest.

Wenn man dafür sorgt, daß das Wasser aus dem „unproduktiven“ Hinterland in die „produktiven“ Küstengebiete gelangt, verstärkt man die Disparitäten zwischen diesen beiden Räumen - das Inland verkommt zur Peripherie.
Mit Sicherheit könnten Andalusiens Küstengebiete, so sie denn über ausreichend Wasser verfügten, international größere Marktanteile im touristischen und landwirtschaftlichen Bereich erlangen.
Doch diese Spezialisierung und alleinige Ausrichtung nach dem Weltmarkt birgt große Gefahren in sich. Man macht sich so abhängig von der internationalen Entwicklung und wird sehr krisenanfällig.
Das Risiko liegt neben den normalen konjunkturellen Schwankungen darin, daß durch irgendeine Entwicklung des Weltmarktes die Konkurrenzfähigkeit auf einmal nicht mehr gegeben sein kann. Und es gibt immer sehr große Probleme, wenn die tragenden Sektoren einer Wirtschaft zusammenbrechen.

Langfristig muß die globale Entwicklung - Stichwort Nachhaltigkeit - dahin führen, daß jeweils auf Basis der eigenen Ressourcen der Bedarf der eigenen Bevölkerung gedeckt wird und das Handelsvolumen, der Austausch mit anderen Gebieten, nur einen geringen Teil des Bruttosozialprodukts ausmacht.
Wie schnell diese Entwicklung vonstatten gehen wird, bestimmen die Politiker eines jeden Landes mit.
In Andalusien steht und fällt die Entscheidung darüber, in welche Richtung die Reise gehen soll, mit der Verteilung des Wassers.


Anmerkungen

Diese Arbeit erhebt nicht den Anspruch der Wissenschaftlichkeit.
Die Zuverlässigkeit der Angaben, die aus den verschiedenen Quellen (siehe Quellenverzeichnis) entnommen wurden, wurde vorausgesetzt.

Zu 2.b)ff.: Hm³ ist das Kürzel für Kubikhektometer, 1 Hm³ = 1 Mio m³

Zu 4.b): Es wurde bewußt der Ausdruck „Bewässerungsanbau“ anstelle des gebräuchlicheren Wortes „-feldbau“ gewählt, da wir es hier auch zu einem großen Teil mit Olivenplantagen zu tun haben, die bewässert werden, und der Ausdruck „Feldbau“ dafür nicht zutrifft.

Zu 5.b): Leider ist es nicht möglich, anhand der Werte einiger Schadstoffe einen Fluß in eine deutsche Gewässergüteklasse einzustufen, da diese Einstufungen auf der Basis biologischer Untersuchungen vorgenommen werden.


Quellen:

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- Adolfo Rendón Unceta: Recursos hídricos en Andalucía. Planificación hidrológica, 30.11.1994
- Anuario Estadístico de Andalucía 1996
- Carlos Fernández Delgado: El proyecto de una presa de cierre en el bajo Guadalquivir: nueva amenaza para Doñana y su entorno, Quercus 127, 9.1996
- Centro de Investigación para la Paz: La situación de los recursos hidráulicos en España, 1993
- CEPA: Pacto Andaluz por el Agua, 1991
- CEPA: Proyecto de esclusa y compuertas en el estuario del Guadalquivir: un „precio“ ambiental inaceptable, 28.12.1994
- CEPA: Notas sobre las alegaciones a la propuesta de directrices del Plan Hidrológico del Guadalquivir
- Confederación Hidrográfica del Guadalquivir: Caudales medios mensuales observados aguas arriba, Alcalá del Río
- Confederación Hidrográfica del Guadalquivir: Parte diario de embalses, Situación de los embalses al 30/07/97
- Confederación Hidrográfica del Guadalquivir: Precipitación medial mensual, Cuencas Guadalquivir - Guadalete - Barbate
- Confederación Hidrográfica del Guadalquivir: Sistema de regulación general, Dotaciones campañas de riego
- Confederación Hidrográfica del Guadalquivir: Volumenes embalsados a 1 de octubre/ 1 de mayo
- EMASESA: Crónica de una sequía 1992 - 1995, 1997
- EMASESA: El final de la sequía 1996 - 1997, 1997
- Instituto Geominero de España: Evaluación del impacto de la contaminación por especies nitrogenadas sobre abastecimientos urbanos situados en areas de alto grado de afección, 1992
- José García Rey: Informe sobre el Acuerdo Andaluz por el Agua, 19.1.1994
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- José María Montero: Inventario de Problemas, El País 3.04.1995
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- Junta de Andalucía: Acuerdo Andaluz por el Agua, 1993
- Junta de Andalucía, Consejería de Agricultura y Pesca: Anuario de Estadísticas Agrarias y Pesqueras de Andalucía 1994
- Junta de Andalucía, Consejería de Agricultura y Pesca: Manual de Estadísticas Agrarias y Pesqueras Andalucía 1995
- Junta de Andalucía, Consejería de Agricultura y Pesca: Producción Agraria Bruta (y Ayudas a Superficies), Provincia Sevilla 1988-1996
- Junta de Andalucía, Consejería de Agricultura y Pesca: Plan de Regadíos de Andalucía, 2.1996
- Junta de Andalucía, Consejería de Medio Ambiente: Medio Ambiente en Andalucía, Informe 1996
- Ministerio de Obras Públicas Transportes y Medio Ambiente (MOPTMA): La Confederación Hidrográfica del Guadalquivir, 10.1993
- Pablo J. Sendra Arce: Informe sobre la incidencia de las precipitaciones del último mes en las pérdidas de suelo, 1.1997
- Yolanda Menor de Gaspar, F. G. Vilches: Valoración de las actuaciones programadas en el Plan de desarrollo sostenible de Doñana, 26.2.1997


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