Promis und Veit
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Warum das wohl so ist? Geschichten von Promis ziehen magisch an. Egal, wie oft ich vom Trampen schwärme, wenn der Name Joschka Fischer fällt, spitzen die Leute die Ohren. Wahrscheinlich strahlt bei jeder dieser kleinen Geschichten ein wenig des Glanzes dieser grossen Menschen auf Erzähler und Zuhörer ab. Mich faszinieren Promis zugegebenermassen - mir macht es Spass, Realität und Wirklichkeit zu vergleichen - zu sehen, ob das Image, dass von Medien aufgebaut wird, wirklich stimmt. Und so gehe ich oft recht unverkrampft auf sie zu. Naja, wie dem auch sei - die Neugier sei befriedigt - hier erzähle ich, wen ich so getroffen habe, und welche Eindrücke ich von diesen Menschen hatte.

Joschka Fischer  Guido Westerwelle  Franz Müntefering  Wolfgang Gerhardt  Klaus Kinkel  Günther Rexrodt  Sabine Leutheusser-Schnarrenberger  Ignaz Bubis  Doris Dörrie  Mario Adorf  Marco Bode  Peter Scholl-Latour  Cesar Banana Puyrredon  Bob Dole  Jose-Maria Aznar  Jürgen W. Möllemann

Joschka Fischer

Den Obergrünen habe ich 1998 beim Trampen auf einem Rasthof bei Frankfurt getroffen, hab damals auch eine Geschichte darüber geschrieben: Als ich den Joschka traf. Um es kurz zu sagen: er war der unsympathischste und unfreundlichste Promi, der mir jemals über den Weg lief. Es ist mir ein Rätsel, wie dieser Mann es schafft, ein so absolut positives Image in den Medien aufzubauen. Eine Fernsehjournalistin die mit mir in Berlin mal ein Interview machte, bestätigte nach vier Jahren schliesslich mein zugegebenermassen schnell gebildetes Urteil: auch unter Journalisten gilt es als offenes Geheimnis dass Fischer einer der arrogantesten und unfreundlichsten Top-Politiker dieser Republik ist.

Guido Westerwelle

Guido war auf vielen Kongressen der Julis dabei, hab ihn auch sonst ein paarmal erleben dürfen. Meine erste Erinnerung ist von einem Bundeskongress in Stuttgart 1996. Ich war damals noch keine 18, und musste nen Tag Schule schwänzen. Um eine originelle Entschuldigung vorweisen zu können, schrieb ich eine auf Juli-Briefpapier, und liess dann soviele Promis wie möglich unterschreiben. Als ich Guido fragte, antwortete er - ganz Anwalt - "Nee, das kann ich nicht machen, ich bin doch nicht Dein Erziehungsberechtigter!". Korrekt, aber kleinlich fand ich es damals schon, alle anderen Leute, die ich fragte, unterschrieben auch, naja, so fehlt Guidos Unterschrift eben auf dieser historischen Entschuldigung...:-)

Beim Bundesparteitag in Mannheim im Mai 2002, auf dem er sich zum Kanzlerkandidaten küren liess, erzählte er dann bei einer Juli-Party am Abend beim Bier einer Runde von Leuten und mir von der bevorstehenden GuidoMobil-Tour. Ich fand ihn dabei sehr sympathisch, es war spürbar, wie er sich auf die Tour freute, wie er dafür glühte. Darum tat es mir in den folgenden Monaten besonders leid, dass das Mobil in den Medien so verrissen und als Gag dargestellt wurde. Ich fand es eine Klasse-Idee, er ging auf die Leute zu, genau wie es ein Politiker tun sollte.

Als er dann mit dem GuidoMobil nach Dresden kam, ging ich natuerlich hin. Ich hatte damals, im Juli 2002, gerade mein Millionen-Mitglieder fuer den Hospitality Club-Projekt gestartet, und war damals noch auf dem Trip, möglichst viele prominente Unterstützer, Bürgermeister und so, zu finden. Darum hab ich ihm vom Hospitality Club und meinem Projekt erzählt, wollte eigentlich auch ein Stück mitfahren, aber irgendwie ist das dann im Sande verlaufen. Aber auch dort, im Biergarten, war Guido ein absolut sympathischer, gut zuhörender Zeitgenosse.

Franz Müntefering

Ich weiss gar nicht mehr, welchen Posten er im Herbst 1997 innehatte, als er zu einer SPD-Veranstaltung nach Vallendar, meinem Uni-Städtchen kam. Ich ging auf jeden Fall hin, und in der an seine Rede anschliessenden Diskussion kam ich auch dran. Leider war niemand dabei, der mich kennt - aber dort zu reden war einer der amüsantesten politischen Gigs meines Lebens. Ich kritisierte erst ein bischen die damalige CDU/FDP-Regierung, damit der Anschein gewahrt blieb, ich sei auch ein treuer Sozialdemokrat. Dann aber liess ich einige wohlüberlegte Salven gegen die chaotische SPD-Politik der damaligen Zeit los (leider ist sie ja auch in der Regierung nicht planvoller geworden), die im Bundesrat Blockade-Politik betrieb. Die Gesichter einiger Sozis wurden immer länger, aber vor allem der Fakt, dass ich am Ende Applaus bekam, und die lokalen Jusos mich anwerben wollten, war ein schöner Erfolg, über den ich noch oft schmunzeln musste. Münte ging später in seiner bekannten Laber-Art nicht wirklich auf meine Argumente ein.

Fast 6 Jahre später, Mai 2003, Kirchentag in Berlin. Münte ist inzwischen SPD-Fraktionsvorsitzender, und ich bin gerade auf Friedensbus-Tour. Wir verkaufen Friedensfahnen direkt am Brandenburger Tor, und irgendwann drückt mich die Blase. Mit Fahnen geschmückt, wie ich bin (die taz hatte mal geschrieben: "Veit sieht aus wie ein buntes Knäuel.", was ich sehr treffend fand...:-), komme ich nicht ins Adlon, und so gehe ich zwei Ecken zum Blockhaus, einer netten Gaststätte. Auf dem Rückweg muss ich vor der englischen Botschaft an einer roten Ampel warten. Irgendwann wird es mir zu lang, und ich gehe einfach rüber. Auf der anderen Seite steht ein Mann mit Aktenkoffer und wartet brav. Im Vorbeigehen erkenne ich - na, wen wohl - Müntefering. Cool, denke ich, dass der hier nachts so allein ohne Bodyguards mit Aktenköfferchen durch die Stadt läuft. Aber halt - ich gehe ein paar Schritte zurück: << "Wir sind drei Brüder und sammeln Spenden für Kinder im Irak. Haben Sie schon eine Friedensfahne?" - "Nein, habe ich nicht." - "Möchten Sie eine - ich würde Ihnen meine geben." - "Hm, ich weiss gar nicht, was ich damit machen soll." - "Naja, wenn nicht für Sie, dann vielleicht für Ihren Sohn oder Tochter, wenn Sie Kinder haben." - "O.k., ich koennte sie ja mit ins Büro nehmen." >> Ich gebe ihm also die Fahne, die ich gerade umgebunden habe, die hätten wir sowieso nicht mehr verkaufen können, war auch die einzige, die ich gerade dabei hatte. Die Hoffnung: wenn wir mit dem Irak-Trip irgendwann mal Hilfe brauchen, kann ich ja mal in seinem Büro nachfragen. Es war eine witzige Begegnung, aber grundsätzlich ändert das nichts dran, dass ich Müntefering für einen der nervigsten und bremsendsten Politiker in Deutschland halte.

Wolfgang Gerhardt

Bundesparteitag in Wiesbaden 1997. Ich hatte erst vor ein paar Tagen meine Homepage ins Netz gestellt und sammelte stolz und eifrig die ersten Gästebuch-Einträge. Auf dem Parteitag gab es ein Internet-Cafe, in dem man kostenlos surfen konnte und irgendwann tauchte dort auch Wolfgang Gerhardt auf, damals noch Parteivorsitzender. Mit der Presse im Schlepptau, liess er sich vor einem Rechner ablichten. Es war schon witzig zu sehen, wie er die Maus hielt - glaube nicht, dass er vorher schon oft sowas in der Hand hatte. Auf jeden Fall fragte ich ihn, ob er sich auch mal in mein Gästebuch eintragen würde. Er bügelte mich mit einem "Ja ja, das machen wir auch noch." ab und ging weiter. Tja, da war Klein-Veit recht geknickt. Loffer, der dabei war, tröstete mich mit einem Eintrag im Gästebuch - übrigens immernoch online, auch nach dieser langen Zeit.

Klaus Kinkel

Im Winter 1997 war Klaus Kinkel (damals Aussenminister) bei einem FDP-Empfang in der Nähe von Koblenz zu Gast. Der Verwaltungschef der WHU und Parteifreund nahm mich mit. Nachdem Kinkel seinen Vortrag gehalten hatte, konnte man Fragen stellen. Das nutzte ich und fragte ihn, warum er vom Dalai Lama den Schal zur Begrüssung nicht angenommen hatte. Das war eine Szene, die sich mir tief eingebrannt hatte, und für die ich mich ehrlich schämte - wie er diesen Schal zurückgewiesen hatte. Die Vermutung lag damals nahe, dass dies eine Demutsgeste China gegenüber war, und der allzu freundliche Umgang mit den Verantwortlichen für das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens war mir wirklich zuwieder. Naja, Kinkel antwortete in etwa, dass er ja als Aussenminister nicht alles mitmachen könne, sich zum Beispiel auch nicht von Arafat küssen lassen würde.

Günther Rexrodt

Im Frühjahr 1998 war er als Wirtschaftsminister zu Gast an der WHU. Vor seinem Vortrag gab es eine kleine Gesprächsrunde bei der Stiftung, an der ich für die Liberale Hochschulgruppe teilnahm. Wir konnten ihm Fragen stellen, und ich fragte sehr kritisch, welche Strategie sie für den bevorstehenden Wahlkampf hatten. Ich war schon damals ziemlich verzweifelt, da ich nach Schröders Niedersachsen-Coup kaum noch Chancen sah, ihn zu verhindern. Aber Rexrodt war sehr gelassen, nach dem Motto: "Macht Euch mal keine Sorgen, wir schaffen das schon." Ich war sehr enttäuscht, denn wenn schon der Wirtschaftsminister keine wirklichen Anstrengungen mehr machte, wie sollte das nur gutgehen. Ein paar Monate später gewann Rot-Grün die Wahl.

Auf dem Bundesparteitag in Mannheim im Mai 2002 gab es abends eine überteuerte Mega-Party. Mit meiner damaligen Freundin Thora setzte ich mich ein paar Minuten zu Rexrodt an den Tisch. Er war sehr freundlich, es hat wirklich Spass gemacht, ein wenig mit ihm zu plaudern und ihm zuzuhören.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Hab keine Erinnerung mehr dran, aber auf jeden Fall hat sie mir damals die schon erwähnte Entschuldigung für die Schule unterschrieben. Das führte dazu, dass mein Tutor Ralph Budde in ihrem Büro nachfragte, was das denn sollte - hat er mir eine ganze Weile später erzählt. Kleinlicher Ralph. Hab sehr viel Respekt für sie - ihr Rücktritt als Justiz-Ministerin nachdem die FDP sich für den verdammten Grossen Lauschangriff entschieden hatte ist ein Meilenstein in meinem politischen Gedächtnis. Politikerin mit Rückgrat.

Ignaz Bubis

Auch Ignaz Bubis unterschrieb die Entschuldigung. Damals war er Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, aber auch FDP-Politiker. Und so kam er abends zu unserer Juli-Party in eine Disko, was ich ganz besonders cool fand. Es war wirklich eine geile Szene, wie dieser kleine, freundliche, alte Mann, umringt von seinen Bodyguards, mir in einer Disko die Entschuldigung für die Schule signierte.

Doris Dörrie

Wer sie nicht kennt - die wohl bekannteste deutsche Regisseurin ("Männer", "Nackt"...). Auf der Leipziger Buchmesse versuchten wir während des Friedensbus-Projekts, unsere PACE-Fahnen an den Mann zu bringen. Das gelang uns auch sehr gut - wir deckten viele Stände ein, so dass sogar in der Presse darüber berichtet wurde. Ich sah sie an einem Stand, und so fragte ich sie, ob sie nicht eine Fahne haben wollte. Irgendsoeine Beschützerin von ihr versuchte mich abzuwimmeln - nein, wir brauchen das nicht, oder jetzt nicht, oder so. Daraufhin Dörrie sauer: "Ich will aber jetzt so eine Fahne!". Dann kramte sie ihr Portemonnaie raus und suchte die 10 Euro zusammen. Ich hatte in der einen Hand die Fahne und in der anderen den Stapel Fahnen und einen Pappbecher, mit dem ich mir zuvor Wasser geholt hatte. Ohne drüber nachzudenken, schmiss sie das Geld einfach in den Becher. Das fand ich wirklich witzig - wenn noch Wasser dringewesen wäre, hätte es gut geplatscht. Und es sah wohl wirklich so aus, als ginge ich wie ein Bettler mit meinem Becherchen durch die Hallen...:-)

Mario Adorf

Auch Mario Adorf lief mir auf der Buchmesse über den Weg. Ich verkaufte ihm eine Fahne. Er meinte 10 Euro wäre ganz schön happig, aber ich glaube sie haben ihn nicht arm gemacht. Wirklich ein beeindruckendes Äusseres, dieser Mann.

Marco Bode

Marco Bode stand auf der Buchmesse an einer Ecke. Für mich einer der sympathischsten Fussballer Deutschlands, und als Ex-Werder Spieler, und noch dazu aus dem Kreis Osterode am Harz stammend, wo ich ja auch meine Jugend verbracht hatte, wusste ich auch ne ganze Menge über ihn. Zum Beispiel, dass er sich für Kinder in armen Ländern engagiert. Auch ihn fragte ich, ob er eine Fahne wollte. Es wurde ein längeres Gespräch, denn er liess sich erklären, was wir machen wollten. Er machte einen absolut sympathischen Eindruck - hier stimmt das Medien-Image wohl absolut. Und eine Fahne kaufte er auch.

Peter Scholl-Latour

Ihm musste ich auf der Buchmesse eine ganze Weile hinterherrennen, bis ich ihn endlich fragen konnte, ob er eine Fahne haben wollte. Und dann wurde ich nur abgebügelt. Schade, vor allem, da er ja gerade in diesen Tagen des Irak-Kriegs als Islam-Experte omnipräsent in den Medien war.

Cesar Banana Puyrredon

Kennst Du nicht? Macht nix - in Argentinien kennt ihn jeder, er ist ein Pop-Sänger. Als ich im Februar 2001 dort angekommen war, lud mich die Radiomoderatorin Maia, die auch im Hospitality Club ist, zu einer Sendung ein, um über den Club und von meiner Reise zu berichten. Es waren 2 Stunden am späten Abend, und Cesar war der zweite Gast der Sendung. Es hat einen Heiden-Spass gemacht, war mein erstes wirkliches Radio-Erlebnis. Ein sehr netter Kerl.


Jetzt kommen die Leute, die nicht wirklich zählen, weil ich keine Worte mit ihnen gewechselt hab. Aber trotzdem gibt es zu jedem ne kleine Geschichte, also ab dafür:

Bob Dole

Während meines Jahres als AFS-Austauschschüler in den USA, das ich ja mit einem Stipendium des Bundestages absolvierte, hatten wir auch eine Woche in Washington, D.C. Wir machten das Capitol unsicher und gingen auch an Dole's Büro vorbei. Interessanterweise konnte man durch mehrere geöffnete Türen bis zu seinem Schreibtisch durchblicken, an dem er sass. Wir winkten und er winkte zurück - cool. Damals war er Führer der Republikaner im Senat, hatte ihn auch dort schon mal während einer Rede gesehen, als ich mit Dan in D.C. war. 1996 verlor er dann die Präsidentenwahl gegen Clinton. Zum Glück.

Jose-Maria Aznar

Mit meiner damaligen spanischen Freundin Lucia war ich ja Weihnachten 1999 nach Betlehem getrampt und hatte den Jahrtausendwechsel an den Pyramiden in Ägypten verbracht. Naja, wir waren gerade in der Altstadt von Jerusalem unterwegs und schauten uns in einer Gasse Postkarten an. Dann zogen hinter uns irgendwelche Leute durch, die uns etwas zur Seite schoben. Erst ein paar Minuten später rafften wir, dass gerade irgendjemand Wichtiges vorbeigekommen war. Die Leute meinten, es wäre der spanische Ex-Ministerpräsident oder so gewesen. Wir dachten zuerst, Filipe Gonzalez, und nahmen die Verfolgung auf. Dann war die Überraschung recht gross, als wir vor der Geburtskirche Aznar entdeckten - umringt von Bodyguards und Fernsehkameras. Ich managte es, Lucia so zu platzieren, dass ich ein paar gute Fotos von ihr mit Aznar, ihrem mittlerweile verhassten Ministerpräsidenten machen konnte. Witzig war, dass die kleine Lucia irgendwann von Bodyguards verscheucht wurde, ich aber unbehelligt blieb. Seltsam.

Jürgen W. Möllemann

Auch er zählt nicht wirklich, da ich nicht mit ihm geredet habe. Aber mitten in der Hochphase seiner Auseinandersetzung mit Michel Friedmann im Sommer 2002 sprang er mit dem Fallschirm in Herzberg ab. Mehrere Kamerateams waren vor Ort, und so versuchte ich Kay mit Luana auf den Schulter genau hinter ihm zu platzieren. Und es klappte - am Abend waren sie unter anderem im heute-Journal zu sehen. Auch wenn ich vor allem Möllemann die verlorene Wahl 2002 ankreide, hat mich sein Tod doch sehr schockiert. Ich war damals gerade allein am Friedensbus in Erfurt und machte sofort schwarze Trauerflore an unseren Fahnen fest, als ich von seinem Absturz erfuhr.

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