Der unverschämte Brief des Schulleiters Kleinicke

Das Antwortschreiben des Schulleiters Kleinicke auf den Brief des SER. Dieses Machwerk ist so vollgestopft mit Lügen und Verleumdungen, daß mir fast das Blut in den Adern kochte, als ich es in den USA zu Gesicht bekam. Unter anderem behauptet er, ich habe meine Klasse "dominiert und tyrannisiert"...

Ernst - Moritz - Arndt - Gymnasium

37412 Herzberg a. H.
Domeyerweg 5
Tel. 05521-5911



Frau Koch
Frau Riechel
Herrn Sassenberg

26.8.1994

Klasseneinteilung für das Schuljahr 1994/95


Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihr Schreiben vom 6.8. ist am 17.8.94 eingegangen. Die darin enthaltenen Vorwürfe und Anschuldigungen weise ich entschieden zurück. Ihre Darstellung ist einseitig und verfälscht die Tatsachen. Sie sprechen die pädagogischen Gesprächsrunden an. Die dort behandelten Themen wurden bislang stark von den beteiligten Eltern bestimmt, also auch von Ihnen. Ich halte das für gut, insoweit es Ihnen die Möglichkeit gibt, Ihre Fragen und Probleme zur Sprache zu bringen. Wenn Sie bedauern, die Frage der Klassenbildung in der Vorstufe nicht angesprochen zu haben, kann ich Ihnen nur zustimmen. Über die Frage der Klassengröße allerdings dürfte unter pädagogischen Gesichtspunkten wohl Einigkeit bestehen. Die einschlägige Verordnung sieht im 11. Jahrgang eine Klassengröße innerhalb der Bandbreite von 18 bis 22 Schülerinnen und Schülern vor.

Die gymnasiale Oberstufe gliedert sich in die Vorstufe im 11. Schuljahrgang und die Kursstufe im 12. und 13. Schuljahrgang. Der Unterricht in der Vorstufe gliedert sich in den Pflicht-, den Wahlpflicht- und den Wahlbereich. Der Unterricht im Pflichtbereich wird im Klassenverband erteilt. Der Unterricht im Wahlpflichtbereich kann im Klassenverband oder klassenübergreifend eingerichtet werden.

Der Unterricht im Wahlbereich findet in der Regel in klassenübergreifenden Lerngruppen statt. Ein Anspruch eines einzelnen Schülers auf Teilnahme an einem bestimmten Unterricht besteht nicht, es sei denn, daß er seine Belegungsverpflichtungen anders nicht erfüllen kann.

Nach den Versetzungskonferenzen am 13.7.94 stand fest, daß im Schuljahr 1994/95 110 Schülerinnen und Schüler die Vorstufe des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums Herzberg besuchen werden. Bei der Klassenbildung ist eine Bandbreite von 18 bis 22 Schülerinnen und Schülern je Klasse einzuhalten. Die untere Grenze zu unterschreiten ist nur dann möglich, wenn andernfalls die obere Grenze überschritten würde. Die Obergrenze darf nur überschritten werden, wenn die Schule aus Gründen der Unterrichtsversorgung eine Klasse weniger einrichtet als erlaubt ist. Es können also in diesem Schuljahr fünf Klassen 11 gebildet werden.

Zuständig für die Klasseneinteilung ist die Schule. Daher hat die Oberstufenkoordinatorin, Frau Studiendirektorin Dr. Siebert, nachdem die Gesamtzahl feststand, unverzüglich mit der Klasseneinteilung begonnen. Dabei hat sie, soweit möglich, die betroffenen Schülerinnen und Schüler einbezogen, indem sie die Klassen 10 aufsuchte, ihnen das Problem darstellte und Lösungsmöglichkeiten erörterte. In der Klassen 10 b und 10 c ist auf diese Weise unter Mitwirkung der Schüler eine Regelung gefunden worden. Lediglich in der 10 a konnte Frau StD' Dr. Siebert keine Einigung erzielen. Auch die Bemühungen der Mittelstufenkoordinatorin, Frau OStR' Zürn, der Klassenlehrerin, Frau StAss' Götz, und mehrerer Fachlehrer der Klasse 10 a blieben ohne Erfolg. Immer, wenn ein Schritt zur Lösung gefunden war, widerrief der Klassensprecher Veit Kühne tags darauf die gefundenen Kompromisse und stellte die Forderung auf, alle Schülerinnen und Schüler der 10 a sollten zusammenbleiben, also eine Klasse gebildet werden, deren Schülerzahl deutlich über der Obergrenze liegt. Schülerinnen und Schüler, die sich bereit erklärten, die Klasse zu wechseln, wurden mit Ausschluß aus der Gruppe bestraft. Die Gründe hierfür kennen Sie sicher besser als ich. Weder der Klassensprecher noch die Klassenelternratsvorsitzende, Frau Koch, haben sie mir rational nachvollziehbar darlegen können.

Dieses Verhalten der Klasse widerspricht Ihrer Behauptung, diese habe ein sehr gutes Sozialverhalten. Vielmehr hat es den Anschein als würde die Klasse von einigen wenigen dominiert und tyrannisiert.

Da keine Lösung erzielt werden konnte, ich aber auf eine Beteiligung der Schülerinnen und Schüler nicht verzichten wollte, habe ich der Klasse 10 a am 20.7.94 das Problem noch einmal ausführlich dargestellt. Dabei haben mich die Klassenlehrerin, Frau StAss' Götz, und der Physiklehrer der 10 a, Herr OStR Dr. Zürn, unterstützt. Die Schülerinnen und Schüler der 10 a waren nicht bereit, an der Problemlösung konstruktiv mitzuarbeiten, sondern bestanden auf der Bildung einer in ihrer Größe die Obergröße der Bandbreite weit übersteigenden Klasse.

Ich habe angekündigt, die Klasse in zwei Gruppen aufzuteilen, so daß niemand sich zu den Verlierern zählen muß und jeder in seiner neuen Klasse eine Großzahl seiner bisherigen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden wiederfindet. Um enge Freundschaften nicht aus Unkenntnis auseinanderzureißen, habe ich die Schülerinnen und Schüler aufgefordert, mir drei Namen von Mitschülerinnen oder Mitschülern aufzuschreiben, mit denen sie gern in einer Klasse sein wollten. Diese Informationen habe ich bei der Klasseneinteilung Anfang August zugrundegelegt.

Ich verwahre mich entschieden gegen Ihren Vorwurf, ich hätte massiv versucht, "die Klasse einzuschüchtern und umzustimmen".

Matthias Sassenberg ist zusammen mit Christoffer Koch in der 11 a, Katharina Riechel ist in der 11 b.

Mit freundlichem Gruß

Kleinicke OStD


Und ich war in den USA und konnte mich nicht einmal wehren... War vielleicht auch besser so. Die Klasse, die nun also von diesem skrupellosen Schulleiter geteilt worden war, schrieb jedoch noch einmal einen von Xxxxx Xxxxxx* verfaßten Brief an Kleinicke, auf den dieser jedoch nie antwortete...

*Name eines Mitabiturienten und Jahrgangsbesten im Oktober 2006 (9 Jahre nach dem Abi) gelöscht, nachdem er gedroht hatte mich "wegen Verleumdung und Verstoßes gegen das Namensrecht anzuzeigen". Er befürchtete negative Auswirkungen auf seine Karriere, sollten Personaler im Netz auf sein Engagement aus der Schulzeit stossen. Whatever.


© 1997  Veit Kühne