Die Gesamtkonferenz hatte uns in einem von Kleinicke angeregten Beschluß gerügt, wir hätten "schulinterne Angelegenheiten an die schulexterne Öffentlichkeit" getragen. Unsere Empörung war daher groß, als wir am nächsten Tag diesen Artikel lesen mußten. Schulleiter Kleinicke hatte sich mit unglaublicher Doppelzüngigkeit über den eigenen Beschluß hinweggesetzt:
HERZBERG (ab) Schwerpunktbildung, ja oder nein? Am Herzberger Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium sind die Diskussionen wieder neu entflammt. Nachdem vor einem Jahr der Beschluß der Gesamtkonferenz, in den Klassen 9 und 10 "Unterricht mit besonderem Schwerpunkt" anzubieten, wegen massiver Proteste für ein Jahr ausgesetzt worden war, stand dieselbe Entscheidung am Donnerstag nun erneut auf der Tagesordnung.
Noch am Vortag hatte bereits ein offener Brief der Schülersprecher des Gymnasiums, Veit Kühne und Philipp Posselt, die unverändert ablehnende Haltung eines Teils der Schülerschaft bekräftigt. Insbesondere wurde darin dem Schulleiter, Oberstudiendirektor Erhard Kleinicke, vorgeworfen, den Schülersprechern untersagt zu haben, die Schüler der Klassen 7 und 8 am Mittwoch über ihre Sicht der Dinge zu informieren und nach den eigenen Vorstellungen zu befragen. "Glaubwürdigkeit und Demokratieverständnis" am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium sahen sie deshalb gefährdet, fürchteten, daß Beschlüsse "durchgepeitscht" würden, ohne die betroffenen Schüler und Eltern anzuhören.
Kleinicke gibt zu, den Schülersprechern verboten zu haben, ihrem eigenen Unterricht fernzubleiben und den der 7. und 8. Klassen für ihre "Agitation", so sein Ausdruck, zu unterbrechen. Seiner Ansicht nach hätte zum Meinungsaustausch in einem eigens dafür vorgesehenen Ausschuß genügend Gelegenheit bestanden. Der wurde zwar erst im September gegründet, stand aber allen interessierten Schülern und Lehrern offen. Auch die Klassenlehrer hätten natürlich mit ihren Schülern Gespräche geführt. "Veit Kühne erschien erst zur Abschlußsitzung dieses Gremiums und verkündete seine Thesen", ärgert sich Kleinicke. Der Ausschuß habe sich dann übrigens auf keine Empfehlung einigen können, deshalb habe er wohl auch keine Großveranstaltung zur Schülerinformation organisiert.
Über den Ausgang der Abstimmung in der Gesamtkonferenz ist sich der Schulleiter noch unsicher. Auch Teile der Lehrerschaft wollten am bisherigen Modell festhalten. Das neue würde vier der 32 Pflichtstunden wahlweise in naturwissenschaftlichen Fächern oder einer dritten Fremdsprache vorsehen. Die Klassen müßten dann gemäß dem gewählten Schwerpunkt neu gruppiert werden.
Veit
Kühne