Die unZENSIERTE ABI-Zeitung des ABI-Jahrgangs 1997 am EMA-Gymnasium Herzberg


Unsere ABI-Zeitung ist zensiert worden! Diese Nachricht erreichte uns am Abend des Freitag, 13. Juni, also drei Tage vor dem mündlichen ABI. Die Beweggründe, die Alexander Gehmlich, den Hauptverantwortlichen für die ABI-Zeitung, dazu veranlaßten, die Artikel und Briefe herauszunehmen, werden am Besten in seiner folgenden eMail deutlich:

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Thema: Betr.: Artikel über Klassenteilung
Datum: 12.06.97 20:34:50
Von: AGehmlich2@aol.com
An: Veit99@aol.com

Lieber Veit,

ich bedaure, Dir mitteilen zu müssen, dass ich eben verfügt habe, den Artikel über die Klassenteilung nicht drucken zu lassen.

Folgende Schritte haben mich dazu bewegt:

1. Ich habe den Artikel nur überflogen, weiterhin kenne ich nicht die genauen Vorgänge, die damals in der 10. Klasse passierten. Ich weiß also im Grunde gar nicht, was ich da veröffentliche. Da kann leider auch nicht der Zusatz etwas dran ändern, dass der Artikel ausschließlich Deine Meinung beinhaltet. Fakr ist doch, dass der Artikel in der Zeitung steht, für die ich die Verantwortung trage.

2. So etwas ähnliches soll sich schon vor einigen Jahren an einem Gymnasium abgespielt haben. Hier wollte die Schüler auch der Schulleitung noch einmal eins auswischen. Geklappt hat das nicht, denn die Schulleitung hat den V.i.S.d.P. angezeigt (nach Gesetzeslage durchaus berechtigt), die Abientlassungsfeier wurde abgesetzt, und die Schüler durften ihre Zeugnisse persönlich bei der Schulleitung abholen.

3. Hab ich mich daraufhin erkundigt, ob ich nicht doch rangekriegt werden kann. Immerhin bin ich vollverantworlich für das Gesamterzeugnis. Von den Finanzen bis zur Veröffentlichung. Das kommt noch dazu, dass ich mich entschlossen habe, die Artikel rauszunehmen.

4. Haben Frau Thiele und Frau Zürn schon auf den Fall hingewiesen, den ich unter 2.) erwähnt habe. Sie wollten im Falle eines Falles genauso handeln, wie es ihre Kollegen getan haben. Ich wäre somit der erste, der dran wäre. Ich habe dann eine Anzeige am Hals wegen Vernachlässigung meiner redaktionelle Pflichten. Allein der Tatsachbestand, dass ich die Anzeige habe, würde mir meine journalistische Karriere total verbauen. Denn wenn jemand zum Chefredakteur bestellt/ ernannt wird, so muss er "unbefleckt" sein, will meinen man darf vorher noch nicht in eine Sache verwickelt worden sein, von der sich u.U. darauf schließen lässt, dass man als Chefredakteur oder V.i.S.d.P. ungeeignet ist. Ehrlich gesagt, möchte ich nicht wegen dieser läppischen Abizeitung a.) eine Anzeige kriegen, b.) eine Klage auf Richtigstellung oder Schadensersatz wegen evtl. Verleumdung haben und c.) meine Karriere als Journalist aufs Spiel setzen.

Ich denke, dass Du Verständnis dafür aufbringen kannst. Mir ist jedenfalls geraten worden, trotz der Anmerkung "Kommentar von Veit Kühne" den Artikel rauszunehmen. Das habe ich bereits getan.

Ich danke für Dein Verständnis.

MfG,

Agehmlich

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Wir können Alexanders Beweggründe zum Großteil durchaus nachvollziehen, und bedanken uns bei ihm für die gute Kooperation. So wurde ein Hinweisblatt in die ABI-Zeitung eingefügt, die entsprechenden Seiten wurden trotzdem gedruckt und uns zur Verfügung gestellt.

Wir können allerdings nicht akzeptieren, daß hier offensichtlich von der Schulleitung ein letztes Mal versucht wurde, durch Drohungen jemanden zum Schweigen zu bringen. Wir haben uns daher dazu entschlossen, die fehlenden Artikel und Briefe aus der ABI-Zeitung in unveränderter Form zu veröffentlichen und wünschen viel Spaß beim Lesen!

Verena Deppe, Veit Kühne, Jan Gerlach, Daniela Behre, Torsten Schulze, Andreas Wildner, Carsten Jockisch, Katharina Bosse, Christopher Koch, Axel Mirus, Mathias Weiser, Matthias Sassenberg, Steffen Craul, Lars Wiedemann, Björn Winter, Manuela Carl, Stephan Sickmann, Kai Fischer, Christoph Hänsel, Xxxxx Xxxxxx*, Carmen Oehne, Marc Römer, Katrin Störmer, Carsten Delfs, Jessica Wegehaupt, Mirko Wündrich, Dirk Piepenschneider, Anika Braatz

Herausgeber: "Die Wahrheit ist stärker als die Lüge, nur nicht immer so schnell" - AG am EMA-Gymnasium Herzberg
V.i.S.d.P.: Veit Kühne, Breslauerstr. 5, 37412 Herzberg
Auflage: 800 Stück


Wir hefteten die bereits gedruckten 7 Seiten aus der Original-ABI-Zeitung an dieses Deckblatt und verteilten die unZENSIERTE ABI-Zeitung ab Donnerstag, 19. Juni in der Schule. Die nächsten Seiten waren also der Klassenteilungsgeschichte und meinem ABI-Zeitungsartikel gewidmet.

*Name eines Mitabiturienten und Jahrgangsbesten im Oktober 2006 (9 Jahre nach dem Abi) gelöscht, nachdem er gedroht hatte mich "wegen Verleumdung und Verstoßes gegen das Namensrecht anzuzeigen". Er befürchtete negative Auswirkungen auf seine Karriere, sollten Personaler im Netz auf sein Engagement aus der Schulzeit stossen. Whatever.


© 1997  Veit Kühne