Goldene Regeln fürs Trampen
http://trampen.veitkuehne.de

Dies sind einige der wichtigsten Regeln aus meiner Sicht, sowie einige der Fragen, die ich oft höre.

1. Fragen, fragen, fragen In Deutschland braucht man nicht mit dem Daumen an der Straße zu stehen. Es gibt genug Ampeln, Tankstellen, Rasthöfe. Dort kannst Du Leute ansprechen, und nett fragen, ob sie in Deine Richtung fahren. Ich stehe fast nie an der Straße.

2. Autobahn-Raststätten Das A und O, wenn man lange Strecken trampt. Nie an Ausfahrten absetzen lassen, sondern immer nur auf Rasthöfen. Dort kann man Leute fragen, oder sich unterstellen, wenn's regnet oder kalt ist (auch im Winter ist Trampen so kein Problem), oder auf's Klo gehen. Es gibt nie Probleme mit den Tankstellen, trampen ist in Dtl. nicht illegal.

3. Nein sagen Such Dir Leute aus, die vertrauenserweckend aussehen. So minimierst Du Dein Risiko, das es sicherlich gibt, aber in Dtl., und bei dieser Art zu trampen sehr klein ist. Wenn Du ein ungutes Gefühl bei jemandem hast, fahr nicht mit, es gibt genug andere Autos.

4. Ausstiegsort kennen Kläre zuerst immer, wo Dein Fahrer hinfährt, bzw. wo er Dich absetzen kann. Nichts ist schlimmer, als plötzlich unerwartet auf einem Autobahnkreuz oder nachts auf einer verlassenen Kreuzung mitten in der Pampa zu stehen.

5. Karten Besorg Dir nen Autoatlas, Du wirst ihn brauchen. Achte drauf, daß Raststätten eingezeichnet sind, und schau auch mal in den europäischen Teil, solltest Du dort hin wollen, oft sind nur ganz grobe Übersichtskarten drin.

6. Bahn und Busse nutzen Um auf die Autobahn zu kommen, oder zu Deinem Endziel, ist es manchmal unumgänglich, auch Bahn und Busse zu nutzen. Versuch nicht, um jeden Preis zu trampen. Kleine Strecken kann man so ruckzuck überbrücken.

Trampen zum Milford Sound, Neuseeland... 7. Nicht im Stadtzentrum trampen Versuch möglichst, an Ausfallstraßen zu trampen, dort kannst Du auch an Ampeln und Tankstellen fragen.

8. Nicht mehr als 2 Leute Sonst haben die potentiellen Fahrer verständlicherweise Angst. Zu zweit zu trampen macht Spaß, und es muß nur einer erzählen, einer kann sich ausruhen. Aber am einfachsten ist es natürlich allein.

9. Angst überwinden Klar, man hat Hemmungen, auf Leute zuzugehen, aber wenn Du den ersten, zweiten, dritten gefragt hast, verfliegen die Hemmungen.

10. Geduld haben Manchmal mußt Du halt ne Weile fragen, aber Du kommst immer weg.

11. Flexibel sein Wenn es an einer Stelle nicht klappt, denk nach und frag die Leute, ob andere Orte vielleicht besser zum Wegkommen sind.

12. Freundlich und sauber sein Unbedingte Voraussetzung.


Oft gestellte Fragen


Ist das denn nicht zu gefährlich, man hört doch heute soviel in den Nachrichten?

Es gibt beim Trampen sicherlich ein Grundrisiko - schließlich treffen zwei unbekannte Menschen aufeinander, und das auf engstem Raum. Und natürlich gibt es sicherlich da draußen ein paar irre Killer. Aber die Chance, ausgerechnet an einen dieser Menschen zu geraten, ist doch verschwindend gering. Du kannst das Risiko minimieren, indem Du die Leute selbst fragst, sprich Du Dir Deinen Fahrer selbst aussuchst. Wenn Du am Straßenrand stehst, wirst Du ausgesucht. Daneben gibt es in Deutschland auf allen Rasthöfen Überwachungkameras, und es sehen Dich bei Deiner Fragerei eine Menge Leute.

Ich hab irgendwo auch mal ne Studie des Bundeskriminalamts gelesen, nach der Kurzstreckentramper (sprich nach der Disko nach Hause oder so) viel gefährdeter sind, als Langstreckentramper. Da kommen dann noch Komponenten dazu wie Bekanntschaften zwischen Täter und Opfer. Man lernt als Tramper auch ganz gut, Konflikte, die ja z.B. aus unterschiedlichen Meinungen erwachsen können, sofort zu entschärfen. Ich greife nie jemanden in seinem Auto an, auch nicht mit Argumenten.

Das größte Risiko für einen Tramper besteht darin, bei einem Verkehrsunfall zu sterben.

Sollte eine Frau allein trampen?

Ich habe früher immer mit Nein geantwortet, aber inzwischen meine Meinung geändert, vor allem, weil ich unterwegs mehrere Frauen kennengelernt habe, die allein getrampt sind. Allerdings würde ich als Frau ganz besondere Vorsicht walten lassen, denn sobald eine Frau am Straßenrand steht, haben viele Männer sofort ganz andere Gedanken im Kopf, als wenn dort ein männlicher Tramper stünde.

Aber wie schon mehrfach erwähnt - der Weg das Risiko zu minimieren ist eben, auf Leute zuzugehen, und sie zu fragen. So kann man als Frau ja einfach nur Frauen oder Paare fragen. Damit sollte das Trampen eigentlich wieder ein geringes Risiko haben. Aber generell gilt wohl, daß Frauen beim Trampen sicherer mit einem männlichen Partner unterwegs sind.

Nimmt Dich denn überhaupt noch jemand mit?

Na klar. Trampen ist in Deutschland wirklich ein Kinderspiel, wenn man eben nicht auf absoluten Nebenstrecken oder zu finsterster Nacht unterwegs ist. Und natürlich gibt es immer Leute, die einen nicht mitnehmen wollen. Aber generell sind die meisten Leute wirklich freundlich, und ich hatte eigentlich fast nie Probleme, wegzukommen, wenn es denn genug Autos gab, die in meine Richtung fuhren. Also ein deutliches Ja, aber hallo.

Irgendwo habe ich gelesen, dass Trampen auf den Autobahnen in Deutschland verboten ist - wie muss man dann Autos stoppen, um auf die Autobahn rauf zu kommen? Auf Auffahrten? Ist das nicht verboten?

Auf Autobahnen und auf Auffahrten HINTER dem Autobahnschild ist Trampen und Wandern in der Tat verboten. Aber davor ist es erlaubt, wie überall darfst Du nur den Verkehr nicht behindern. Du kannst Dich also auf die Auffahrt VOR das Schild stellen, oder noch besser Autofahrer an einer Ampel ansprechen, sofern es an der Auffahrt z.B. eine Linksabbieger-Ampel gibt. Ich bin allerdings mal zwei eher unfreundlichen Herren in Grün-Weiss über den Weg gelaufen, die mir weismachen wollten, ich dürfte auch vor dem Autobahnschild nicht trampen - ab der gedachten Linie unten an der Strasse, an der die Auffahrt beginnt, sei Trampen verboten, man könne nur das Schild nicht dort unten aufstellen. Naja, da hab ich dann an der Ampel gefragt - war eh viel besser. Ach so, und natürlich kannst Du auch ganz locker auf Rasthöfen trampen - dort ist es auf keinen Fall verboten.Trampen in Chile...

Wo übernachtet man als Tramper am besten?

Das kommt drauf an, wie Du trampst. Wenn ich eine sehr weite Strecke schnell überbrücken möchte, schlafe ich meist gar nicht, sondern trampe durch. Wenn es warm ist, kannst Du einfach irgendwo schlafen, am besten natürlich, wenn Du ein Zelt dabei hast. Wenn Du Urlaub machst, bzw. kurze Strecken trampst, und weisst, wo Du abends sein möchtest, dann kann ich Dir nur mein Baby, den Hospitality Club ans Herz legen - dort bieten weltweit nette Menschen Schlafplätze an, viele von ihnen Tramper. Eine bessere Art zu reisen, und Menschen kennenzulernen, gibt es nicht.

Gibt es an Raststätten Duschen?

Ja, an einigen Raststätten gibt es Duschen für Trucker. Sonst kannst Du aber auch in Hotels fragen oder ins nächste Schwimmbad gehen. Darauf muss ich eigentlich nie zurückgreifen, da ich meist bei netten Mitgliedern aus dem Hospitality Club übernachte...und auch dusche. (auch hier keine Schleichwerbung, sondern absolut ernst gemeint)

Ich möchte im Sommer zwei Wochen trampen. Da wollte ich Dich fragen was ich denn so an Equipment brauche. Also Schlafsack, Zelt oder Ähnliches? Und soll ich nen Rucksack nehmen oder ne Reisetasche?

Kommt drauf an, wie und wo Du übernachten willst. Im Sommer ist ein Zelt in Europa sicher Klasse, auch ein Schlafsack und Isomatte machen fast immer Sinn - besonders wenn Du Leute besuchen und bei Ihnen übernachten möchtest. Ich nehme ein Zelt mit, wenn ich fest einplane, auch mal draussen zu übernachten. Ich würde an Deiner Stelle auf jeden Fall nen Rucksack mitnehmen. Ist bequemer, vor allem, wenn Du weitere Strecken laufen musst. Ich bin aber auch schon mit Taschen gereist - es geht alles...:-)

Ich möchte nächste Woche von A nach B trampen - kannst Du mir sagen, wie ich das machen soll?

Lies Dir bitte erstmal die grundsätzlichen Tips auf der Seite durch. Wenn Du dann nach speziellen Tips für Deinen Ort suchen möchtest, schau Dich mal in der Ortsdatenbank um. Und wenn Du dann noch ganz spezielle Hilfe brauchst, schick mir ne email oder ruf mich an - ich helfe gern, wenn ich dort schonmal getrampt bin, bzw. ein Blick auf die Karte noch ein paar Ideen hervorbringt.

Wie kommst du von Autobahnen runter? Zwischen Rasthof und Autobahnausfahrt liegt ja immer ein gutes Stück! Steigst du nur in Autos die genau in deine Zielstadt/Zielregion fahren?

Das ist in der Tat ein Problem, das sich aber oft lösen läßt. Bei größeren Städten muss man sich entweder jemanden suchen, der in die Stadt fährt, oder an einer passenden Ausfahrt absetzen lassen, von der es dann per Bus und Bahn bis ans Endziel gehen kann (dafür immer einen guten Atlas zur Hand haben!). Hat man noch etwas Landstrasse vor sich (wie z.B. bei mir immer Göttingen-Herzberg) sollte man die Ausfahrt gut kennen, und wenn da eine Ampel, Tankstelle o.ä. in der Nähe ist, hat man gewonnen.

Welche Kriterien gibt es für Dich beim Ansprechen von Fahrern?

Wenn ich eine größere Auswahl habe, also besonders auf Rasthöfen oder an großen Ampeln, scanne ich zuerst die Kennzeichen. Wenn jemand dabei ist, der genau in meine Richtung fahren müßte, frage ich natürlich zuerst dort. Danach wähle ich meist die Fahrer, die schöne schnelle Autos haben. Schließlich frage ich aber dann fast alle Leute. Es gibt allerdings Ausnahmen - wenn jemand zu fertig aussieht, ich ein ungutes Gefühl habe oder das Auto wahrscheinlich bald auseinander fällt, lasse ich ihn einfach aus. Auch Brummifahrer frage ich mittlerweile nur noch, wenn sonst nichts los ist, und ich unbedingt weiterkommen will, also meist nachts. Sie haben oft einfach nicht soviel zu erzaehlen, wollen unterhalten werden und fahren sehr langsam (wie immer - Ausnahmen bestätigen die Regel).

Ist es sinnvoll ein Schild zu haben um dort das Reiseziel deutlich zu machen oder schränkt das die Mitfahrchancen nur ein?

Das ist eine heiss diskutierte Tramperkontroverse. Es gibt Verfechter beider Theorien: dass Leute, die anhalten wollen, sowieso anhalten, egal ob sie ein Schild sehen, oder nicht. Und dass einige Leute eben nur deshalb anhalten, weil sie ihren Ort auf dem Schild sehen. Genauso umstritten ist, ob man eher seinen Zielort oder den nächsten Ort auf das Schild schreiben sollte. Ich kann alle Positionen nachvollziehen, es kommt wohl auf die Situation an. Da ich wenn möglich Leute anspreche, brauche ich sowieso fast nie ein Schild. Wenn ich manchmal auf Reisen mit dem Daumen an der Straße gestanden habe, habe ich mir jedoch eins gemacht. Während einer zweiwöchigen Italien-Tramptour haben wir z.B. meist die nächstgrößere Stadt draufgeschrieben. In Australien hab ich mir ein großes Krokodil und andere Sachen auf ein Schild malen lassen und "From: GERMANY To: (und dann die Bilderchen)" draufgepackt.

Wie sprichst Du Leute an, die an einer Ampel stehen? Machst Du einfach die Tür auf?

Nein, die Tür mache ich nie auf. Ich gehe normalerweise zur Fahrerseite und zeige mit einer Geste (Zitat Kay: "unnachahmlich") mit meinem Zeigefinger, dass ich mit den Leuten reden möchte. An die Scheibe klopfe ich fast nie, nur wenn sich Leute zur Seite gedreht haben, und mich nicht wahrnehmen - das ist mir etwas zu aufdringlich. Und meine Zeigefinger-Geste reicht meist schon aus - die Leute kurbeln die Scheibe runter und ich kann sie fragen, ob sie in meine Richtung fahren.

Gibt es in Deutschland ein Zeltverbot, sofern es sich nicht um Campingplätze handelt?

Soviel ich weiss, ist es in Dtl. schon verboten, wild zu campen (wer Infos hat - her damit!). Aber ich würde mich darum nicht so scheren, wenn Ihr weg von ner Strasse seid, sieht Euch ja eh keiner. Diese Regel ist eigentlich immer gut, hab ich auch in Lateinamerika befolgt - entweder so campen, dass einen keiner bemerkt, also weitab aller Leute und Strassen, oder jemanden fragen, ob man im Garten, neben dem Haus etc. campen darf, dort also den Schutz geniesst. Hier in Dtl. hab ich nur einmal auf nem Rasthof gezeltet, nachdem ich dort nachts hängengeblieben war.

Legst du vorher eine Route fest? Oder reist du wohin es dich trägt?

In Europa weiss ich meist schon ganz genau, wo ich hin will. Ist ne Zeitfrage. Während meines Jahres in Lateinamerika konnte ich schon spontan entscheiden, mich einfach treiben lassen, Einladungen und Routenänderungen akzeptieren. Das macht einen Riesen-Spass, ist fuer mich auch einer der "Kicks" beim Trampen, die Ungewissheit, die Ueberraschungen. Wenn ich nicht soviel Zeit habe, trampe ich allerdings meist von A nach B.

Ich bin erst 17 und somit noch nicht volljährig. Könnte das zu irgendwelchen Problemen führen?

Ich glaube nicht, dass Dein Alter ein Problem ist - lass Dir vielleicht einfach von Deinen Eltern eine Vollmacht geben, dass Du allein verreisen darfst. Allerdings weiss ich nicht ganz genau, wie die Rechtslage in anderen Ländern ist. Würde ich aber drauf ankommen lassen - ich bin auch mit 17 nach Holland, Belgien und durch Deutschland getrampt.

So, ich hoffe, ich hab Dir schonmal die ersten Bedenken genommen. Wenn Du nun selbst mal trampen willst, dann sieh Dich in der Ortsdatenbank für Tramper um, vielleicht ist Dein Heimatort oder Dein Traumziel ja schon dabei. Oder willst Du mal sehen, wie die Goldenen Regeln auf ukrainisch aussehen? Und wenn Du noch irgendwas wissen möchtest, schick mir einfach ne email.