Reisebericht: trampen durch west-europa
Hamburg-Mallorca & back (Sommer 2002)

Nachdem sein Test-Wochenende erfolgreich verlaufen war, machte Fabian sich auf seine grosse Reise, aber lies selbst...

Morgens bin ich aus Reinbek, einem kleinen Satelliten-Nest Hamburgs, mit meinem Vater zusammen los, weil wir ja beide mit Övi’s [ÖPNV‘s...] nach Hamburg wollten. Ich bin dann also mit der S21 gefahren; bis Hamburg-Dammtor gefahren (superschlau...), um leichter (ohne Treppen steigen) in die S31 zu kommen; habe dadurch in Harburg aber knapp einen Bus verpasst. hmpff. Naja, eigentlich wurst, der nächste 143‘er fuhr ja schon nach ‘ner guten Viertelstunde und: wenn ich alles so viel hätte wie Zeit...
Am Hirschkäferweg ausgestiegen und flugs über die Beliefer-Straße zur Raststätte getappelt. Dort angekommen ging es dann schon los: möglichst zackig einen möglichst langen Lift finden! doch am Wichtigsten: blooooß keine Hektik aufkommen lassen... Dazu erst mal eine Anmerkung: Leider kann ich mich an einige Lifts (zum Beispiel gleich den Ersten...) nicht mehr erinnern, denn das erste mal fand ich auf Mallorca am Strand (J) die Ruhe (und überhaupt den Gedanken daran) etwas in dieses Tagebüchlein zu kritzeln... dumm gelaufen, ich versuche es so gut wie möglich zu rekonstruieren: nee, falsch: ich schreibe einfach von denen, an die ich mich noch erinnern kann, denn das sind bestimmt auch die interessanteren Leute:

Zum Beispiel der supernette Franzose, der (glaub‘ ich) bei „Buderus“ oder so arbeitet. Er hat mich ein langes Stück von „kurz-vor-Frankfurt“ bis Rastatt mitgenommen. Oder das nette Ehepaar mit dem 17-jährigen Sohn (der zwar net mit war) über den ich jetzt aber trotzdem alles weiß... Er scheint in vielen Bereichen ähnliche Flausen im Kopf zu haben wie meiner einer (so bezüglich ins Ausland gehen, eventuell ADiA statt Zivi, etc.). Wie gesagt, die waren auch richtig nett und haben mich vom „Knüllwald“ (kurz nach Kassel) bis kurz vor Gießen gebracht. Dort hat mich dann gleich jemand aufgegabelt, der nur dort angehalten hatte, um eine Tramperin rauszulassen. Genial: Aussteigen + Suchen + Einsteigen: 2 min !!! Er konnte mich zwar „nur“ 50km, bis vor Frankfurt, mitnehmen, aber nur so konnte ich dann dort gleich den Franzosen erreichen, der mich, wie schon erwähnt, bis Rastatt mitgenomen hat! Wow, das klappt einfach genial! Außerdem war es klasse schon hier in Deutschland mein etwas eingerostetes Französisch (in Wahrheit schon ziemlich festgerostet...*g*) zu trainieren (auch wenn’s wirklich mühselig für mich ist, das Französich Sprechen).
Dann ein türkisch-stämmiger Deutscher, der in der Schweiz lebte, dort geheiratet hatte. Meeeegaprolet... aber dafür war es umso lustiger mit ihm; wenn auch weniger kultiviert... ;-)
Vor Freiburg dann, bei „Kippenheim“, wollte ich zuerst schon Nachtrast einlegen, denn ***der Stand der Sonne zeugt vom baldigen Ende des Tages***; doch dann sah ich zwei Tramper (so 18, 19 Jahre), ((wobei ich sagen muss, dass diese wie ich mich zu erinnern glaube erst „Tramper 2 und 3“ waren die ich überhaupt an diesem Tag gesehen hatte!)), die am Ausgang des PKW-Teils der Raststätte standen; mit Schildern, die durch die Aufschrift „Mulhouse“ eindeutig ihre Absicht der Vaterlandsflucht aufdeckten... und da dachte ich: „ah jo, dasch konn‘ isch bessä...“ -> Ich lief auf den nächsten LKW zu („Franzose“), ein kurzes „Vous allez à la France?“ und... ...schwupps fuhr ich noch nach Frankreich... Ich weiß gar nicht, ob diese französiche Frage richtig ist; aber ich habe einfach mal auf den Patriotismus der Franzosen vertraut und instinktiv den Artikel vor „France“ gesetzt... [Um Aufklärung wird gebetenJ/ email-adr. unten...]
Dann schon wieder Glück (ist das etwa fester Bestandteil des Trampens?): Der Trucker-Stopp kurz nach der Grenze hat schon zugemacht, das heißt es geht weiter bis zur nächsten Raststätte...mein Chaffeur hieß übrigens Dominique, war echt nett, wenn auch im Allgemeinen gegenüber jeglicher „grünen Politik“ abgeneigt („Hauptsache, das Benzin wird nicht so teuer!“J),-- und mein Französisch wurde langsam besser: Ich musste nicht mehr jedes Wort einzeln aus den hinterletzten Ecken meiner „intelligenten Weich-Wal-nuss“ holen (was ein Brüller! haha- Tötööö-tötööö-tötöööö! *g*)...
Auf der nun erreichten ersten französischen Raststätte gefiel es mir net so, also bin ich bei einem portugiesischen „Trucker“ eingestiegen; und jetzt war die Verständigung (zum 1. Mal) wirklich unter aller Sau... denn er konnte mit Deutsch oder Französisch genauso wenig anfangen wie mit Englisch, und auch Normalverbraucher-Spanisch (für die Insider-J-: „Castellano“) war ihm net wirklich geläufig. Naja, durch die Ähnlichkeit von Portugiesisch und Spanisch konnten wir dann doch eine minimalst-Konversation führen- mehr war aber wirklich net drin. Nun ja, da war ich dann schon bei “Dôle”, mitten in Frankreich. Genial. Weil es ‘nu auch schon dunkel war, und mir auch nach ‘ner Runde knacken war, hab ich mein Zelt auf einem watteweichen, sichtgeschützten Stück Wiese (ca. 50m von der Tankstelle entfernt) aufgeschlagen. Noch genialer.

Aufstehen: 5Uhr... war wohl nichts - in Mittelfrankreich ist es dann noch dunkel... außerdem superneblig und ungefähr 300% Luftfeuchtigkeit. Scheißwetter -> na gut, da ist dann Problemlösungskompetenz gefragt: *denk,denk,denk* hmmm. ah! eigentlich ganz einfach: Wecker auf 6Uhr stellen, wieder umdrehen und nach try-&-error-verfahren später nochmal versuchen...J
6Uhr: Gut, hell genug ist es jetzt; aber das Wetter lässt immer noch zu wünschen übrig. Später stellt sich aber heraus, dass das mutmaßlich-schlechte Wetter hauptsächlich durch tiefliegende Wolken vorgetäuscht wurde, die sich dann schnell “am Verziehen waren”. Weil morgen, und weil keine wirklich große Raststätte hat es etwas gedauert (so ca. 1h); aber dann auch richtig: Bis hinter Lyon (!) mit einem Bauunternehmer. Das war dann schon der 3. Klein-Lkw mit “Bau-Sachen” hinten drin, der mich hat mitfahren lassen (insg. einschließlich meines test-tramp-wochenendes...) <--jaja, ich weiß- unheimlich interessant, ne? *g*
Danach “kam” glaube ich das Ehepaar aus England; sie waren mit ihrem schicken, auf Hochglanz polierten, Jaguar unterwegs nach St. Tropez --- man gönnt sich ja sonst nichts... Ich habe mich davon mal gar nicht beeindrucken lassen und habe sie nach einem Blick auf das Kennzeichen einfach auf Englisch angesprochen: Zuerst hat Mr. Nobel erstmal Abwehr-Haltung (natürlich nur kommunikationstechnisch...) angenommen, doch hier habe ich dann einfach mal gegengehalten (hatte ich bisher nur ganz selten gemacht); also nicht gleich “Oh, what a pity, but thank you sir...” sondern eher so von wegen “please, only to the next gas station, so, you know, it won’t be a problem with your friends” (sein Argument war das spätere Zusteigen von Freunden) --- und tatsächlich klappt es dann. Hierzu noch ‘ne Anmerkung: Wenn dich irgendjemand nicht gleich mitnehmen will und dazu offensichtlich irrationale Gründe anführt (kommt net selten vor J), dann kannst du ihn natürlich auch nur schwer mit rationalen Argumenten überzeugen; allerdings musst das auch oft nicht sein, denn wenn du ihm durch ein kurzes mit bewussten Pausen gespicktes Gespräch einfach ein wenig Zeit zum Nachdenken lässt, kann er dich nochmal angucken, dich als sympatisch befinden (*g*) und dich doch mitfahren lassen... Das manche Leute (fast panisch) gleich ‘nen Grund gegen das Mitfahren suchen, liegt halt einfach daran, dass sie noch nie jemand mitgenommen haben, und eigentlich auch noch nie darüber nachgedacht haben.
So, wieder zurück zur High Society aus England: Sie waren echt nett, wir konnten uns ganz nett unterhalten (heißt auf “wahr”: natürlich kaum deeper als smalltalk). Bestimmt 300km bis Oranje (nein, nicht Holland, Oranje eben) haben sie mich mitgenommen, denn dort zweigten sich unsere Wege.
Wie anfangs schon erwähnt, kann ich mit net mehr an alle der elf, zwölf netten Leute erinnern, die mich mitgenommen haben. Außerdem wollten ich noch bemerken (weil das kommt hier glaube ich net so richtig raus), dass sich über alle möglichen Themen superinteressante Gespräche ergeben (wenn man das will...).

Dann noch ein französicher Student, ja und dann, dann der Spanier: Die Lkw-Odyssee... das letzte Stück Frankreich, die Pyrenäen hoch, die Pyrenäen runter, STAU... shit! -> fiel mir da erst auf: ich hatte bis hierhin noch keinen ernstzunehmenden Stau gehabt - ganz cool eigentlich für fast 2000km. Das wirklich Dumme war nur, dass ich nur eine Karte bis “Girona” (so auf halber Strecke zwischen Pyrenäen und Barcelona) mit hatte. Gar nicht gut. Ich hatte mir gedacht, dass ich ab dort schon ‘nen Lift bis Barcelona finden würde...nur jetzt saß ich in diesem Lkw und obwohl mir José, (auch so’n Vollblut-Trucker mit 2qm großen Postern von leichtbekleideten Mädels und Playboy-Heften hinterm Sitz...) versichert hatte mich an einer Tanke mit guter Tramp-Möglichkeit nach Barcelona rauszulassen, (Er musste nämlich noch nach Südspanien) stand ich dann da: auf einer gottverlassenen Mini-Tankstelle westlich von Barcelona. Westlich ist hier eine Synonym für “scheiße”, denn westlich heißt sie liegt an der Umgehungsautobahn Nord-Süd von Barcelona und somit fuhr von hier kein Arsch in die Stadt! Als ich das realisierte war ich zum ersten Mal richtig down. Jetzt nur nicht verzweifeln! Gut, die Wahrscheinlichkeit, dass jemand nach Barcelona fahren würde war wirklich sehr gering. Ich könnte aber bis zur nächsten großen Raststätte Richtung Süden fahren, um dort auf die andere Seite der autopista zu gelangen, um dann ‘nen Lift nach Barcelona zu bekommen. Aber das würde dauern. Was gab es sonst für Möglichkeiten? hmmm. Zwei deutsche Brummi-Fahrer, die ich bald darauf ansprach, wollten auf dieser dreckigen Tanke (in ihren Trucks) übernachten, um morgen nach Barcelona zu fahren. Gut immerhin etwas. Allerdings als ich sie später nochmal explizit nach dem mitfahren fragte, konnte ich meinen Ohren kaum trauen: nee, jemanden mitnehmen wollen wir nicht. Nein, nicht aus Prinzip, einfach so nicht. *häh?*
naja, dann kam ich drauf, dass es vielleicht zur anderen Seite doch ‘ne Verbindung geben musste, und tatsächlich! Ein stinkender Kellergang! Eigentlich genial, nur das mir die andere Seite auch nichts nützte: ich hätte auch weit (in den Stau rein) nach Norden fahren müssen (vielleicht bis Frankreich!) um dann wieder die Straßenseite wechseln zu können, um nach Barcelona zu kommen. FUCK!
*grübel* --- *ärger* --- *”%”=)%”$”!* --- *fast-im-selbstmitleid-ertrinkend*<--neenee, kommt gar nicht in Frage! *grübel-weiter*
Während ich so von Schatten zu Schatten (es war tierisch heiß!) hüpfte und meine anscheinend hoffnungslose Fragerei, ob denn nicht jemand in meine Richtung fuhr, fortsetzte, passierte Folgendes: Die beiden deutschen Trucker kamen plötzlich aufgeregt zu mir gerannt und erzählten mir von einer rumänischen Familie, die zum HAFEN VON BARCELONA wollte (!!!), sich aber verfahren hatte! Meine Chance! Ich bot mich also kurzerhand als “Fremdenführer” an (nicht das es eine Sprache gab welche beide Parteien beherrschten..., aber zum Hafen habe ich sie trotzdem erfolgreich (nach weiteren 2h Stau) gebracht!) Yipppiehh! that’s it.
Dann wurde ich zwar noch ‘nen paar Euro Telefonguthaben los, weil die Rumänen “bitte, bitte, bitte” mal kurz mit meinem Telefon ein rumänisches Handy anrufen wollten... naja, wurst. ich bin angekommen! Und nun konnte ich noch ohne Probleme die Fähre um 23Uhr nach Palma nehmen und somit hatte ich es in weniger als 48h von Hamburg bis nach Palma geschafft! Yeahah!!!

ENDE der HINREISE

Fabian Dollbaum

Feedback & Fragen an: Fabian Dollbaum --- irrwicht@gmx.net

Ich finde vor allem geil, dass Fabian zwei der wichtigsten Faktoren beim Trampen deutlich macht: man muss immer flexibel sein, sich schnell umorientieren, wenn es an einer Stelle nicht klappt, und man erlebt immer in den schlechtesten Situationen die freudigsten Überraschungen. Fabians Bericht von seinem Test-Wochenende in Deutschland ist auch absolut lesenswert! Und hier geht's zurück zum Tramperhome.