Trampen? Kein Problem!

Diesen Artikel hab ich im Sommer 2000 fuer das Mitgliedermagazin der Jungen Liberalen Niedersachsen, den Freistil geschrieben.


Alex wollte einen Reisebericht haben. Ferne Länder, fremde Kulturen, bunte Bilder. Um dem Freistil etwas Pepp zu geben und aus dem schönen Niedersachsen in die weite Welt zu blicken. Aber anstatt Euch mit Bildern von südländischen Schönheiten und einsamen Stränden zu langweilen, will ich diesmal lieber ein paar praktische Tips geben und über meine liebste Fortbewegungsart bei vielen der Reisen schreiben - das Trampen.

Wochenendtickets, eigene Autos, genug Kohle - für viele junge Leute ist es heute kein Problem mehr, sich über lange Strecken fortzubewegen. Trampen ist keine normale Option mehr, hat eher was mit Hippies und 70er Jahren zu tun. "Damals, ja damals standen sie an jeder Kreuzung!" hört man oft von Leuten aus der Generation von Robert und Alex.

"Nimmt Dich denn überhaupt noch jemand mit - man hört doch heute soviel in den Nachrichten?" ist eine weitere oft gehörte Bedenkenträger-Frage. Nichtsdestotrotz: Trampen ist immer noch möglich, und zumindest in Deutschland ziemlich sicher und verdammt einfach. Man muss nur den Mut dazu finden, und wissen, wie man's macht.

Ich trampe seit den Osterferien 1996, also seit ich 18 bin. Seitdem hab ich auf diese Art und Weise etwa 70.000 Kilometer zurückgelegt, vor allem natürlich in Deutschland und Europa (Italien, Benelux, Frankreich, Spanien, Schweiz), aber auch in Australien, Neuseeland und einmal sogar im Horror-Land eines jeden Trampers, den USA. Ich hab dabei unglaublich viele interesannte Leute kennengelernt, und viele wichtige Denkanstöße bekommen.

Zwei Dinge machen für mich die Hauptfaszination des Trampens aus: zum einen eben die Möglichkeit, auf engstem Raum immer wieder Leute kennenzulernen, die zu den unterschiedlichsten Gruppen der Gesellschaft gehören, von der netten Zahnarzthelferin bis zum erfahrenen und engagierten Ex-Siemens Vorstand, vom eingewanderten Äthiopier bis zum rechten Ossi (um hier mal einige Klischees ordentlich bedient zu haben). Die Geschichten, die man dabei erlebt und hört sind oft wirklich unglaublich. Es macht zum Beispiel wirklich Spaß mit nem Porsche, meinem riesenschweren Koffer, nem schwarzen Ami am Steuer und 260 Sachen in ner 100-Zone Richtung Frankfurt Flughafen zu heizen!

Die zweite Faszination des Trampens ist die unglaubliche Freiheit. Ich kann mich zu so ziemlich jeder Stunde des Tage an so ziemlich jedem Ort in Europa entschließen, irgendwohin zu trampen, und muss mir dabei über Kohle, Bahntickets oder ein Auto keine Gedanken machen. Wenn ich Lust hab, irgendwohin zu fahren, geht's ab. Und auch wenn ich in Deutschland oft "normale" Strecken zurücklege, sprich von der Uni (Vallendar) nach Hause (Herzberg) oder so, so unternehme ich doch auch immer mal wieder längere Abenteuer, war gerade zwei Wochen mit Lucía in Italien unterwegs. Und dann kommt wirklich ein absolutes Freiheitsgefühl auf, wenn man am Tag zuvor bei grauem Himmel in Deutschland gestartet ist, und am nächsten Morgen in der italienischen Sonne liegt, und keinen Pfennig dafür bezahlt hat. Das ist einfach ein geiles Gefühl!

Aber ich will hier nicht lange schwärmen - probier es einfach mal aus. Lass Dich am nächsten Rasthof absetzen, oder stell Dich in Deinem Ort an die Straße und tramp mal eben nach Nizza, wenn Du vier Tage nichts zu tun hast. Es geht wirklich flott - von Brüssel hab ich mal 27 Stunden nach Madrid gebraucht und zurück nach Vallendar 25, Herzberg - Venedig hat 18 Stunden gedauert, und als wir vor zwei Wochen um 3 ne Stunde nördlich von Rom gestartet sind, standen wir am nächsten Morgen um 10 bei meiner Großmutter in Radebeul bei Dresden auf der Matte.

Darum: trau Dich, lies Dir die Goldenen Regeln aus meiner Sicht mal durch und ab dafür! Du wirst es nicht bereuen. Wenn Du noch mehr Infos zum Trampen haben willst, schau mal auf meiner Seite vorbei: http://trampen.veitkuehne.de . Und natürlich würde ich mich freuen, mal von Dir zu hören, wenn Du irgendnen coolen Trip unternommen hast! In diesem Sinne, viele Grüße aus Vallendar,

Veit Kühne

P.S.: Wenn Du auch noch umsonst dort übernachten willst, wo Du hinfährst, dann schau mal auf dieser Seite vorbei: http://www.hospitalityclub.org - dort bin ich gerade dabei den größten Hospitality Club im Netz aufzubauen. Aber das ist schon wieder eine Geschichte für den nächsten Freistil...:-)

zurück zum Tramperhome